Autor: Ulrich Bauer sen. D-73751 Ostfildern

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4. Natur "Wolle" und ihre Verwendung für die menschliche Bekleidung. Prophylaktische und Therapeutische Anwendungen. Bekleidung-Physiologische Anforderungen

 

Forschung und Wissenschaft

Textil technologische und Bekleidungs physiologische Untersuchungen an Therapeutischen Wärmesegmenten vom Forschungsinstitut Hohenstein.


Einleitung und Aufgabenstellung (48_610)

Forschungsauftrag wurde erteilt vom Arbeitskreis Textile Therapeutische Wärmesegmente und wurde im Februar 1978 abgeschlossen

Bei Erkrankungen, insbesondere im rheumatischen Formenkreis, kann eine schmerzlindernde sowie eine therapeutische Wirkung nachgewiesenermaßen dadurch erreicht werden, dass die betroffenen Körperpartien möglichst warm gehalten werden und dies nicht nur kurzzeitig, wie z.B. während einer Wärmeanwendung in der ärztlichen Praxis, sondern möglichst während des ganzen Tages und unter in einem weiten Bereich variierenden Umgebungstemperaturen sowie bei unterschiedlichsten körperlichen Tätigkeiten.


“Normale“ Kleidung kann diese Aufgabe nicht erfüllen. Sie muss neben der Körper Bedeckung und der Erfüllung modischer Funktionen die Thermoregulation des menschlichen Körpers unter-stützen, wobei sie ihre Wirkung über den gesamten Körper integriert ausübt.


Entsprechend muss sie hinsichtlich ihrer Wärmeisolation so konstruiert sein, dass sie ihrem Träger auch dann noch eine insgesamt ausreichende Wärme Abfuhr ermöglicht, wenn seine Wärme Produktion infolge körperlicher Tätigkeit stark angestiegen ist. Ist dies nicht der Fall, beginnt der Träger stark zu schwitzen, was zunächst zwar lediglich als unangenehm empfunden wird, nach relativ kurzer Zeit bereits aber seine physische Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt und bei längerer Dauer durchaus zu einer Kreislauf schädigenden Hyperthermie führen kann.


Auf der anderen Seite muss aber die Kleidung ihren Träger auch dann ausreichend wärmen, wenn er bei Körperruhe selbst nur noch wenig Wärme produziert.


Beide Forderungen sind nur schwer in Übereinstimmung zu bringen, und in den meisten Fällen muss ein Kompromiss geschlossen werden, der zwar für einen gesunden Menschen eine insgesamt hinsichtlich ihrer physiologischen Funktion befriedigende Kleidung liefert, der aber

dem erhöhten Wärmebedarf eines Erkrankten nicht in dem erforderlichen Maße Rechnung tragen kann.


Insbesondere ist die Wärmeisolation wie auch der Feuchtedurchgangs Widerstand eines ganzen Kleidung Systems als eine Größe gegeben, die nicht nach Körperstellen unterschieden wird. Vielmehr muss der Träger seine Kleidung den Erfordernissen der allgemeinen Temperaturregulation des Körpers anpassen. Der langzeitig erhöhte lokale Wärmebedarf eines Kranken kann somit nur durch textile Wärmesegmente erfüllt werden, die an bestimmten Körperpartien getragen werden und dort für einen erniedrigten Wärme-Fluss zur Umgebung sorgen.


Dadurch erzeugen die Temperatursensoren der Haut an den betreffenden Stellen lokale dilatorische Reize, die durchblutungsfördernd auf das periphere System wirken, was die Muskel Tonuslage entspannt und damit Schmerzen lindert.


Therapeutische Wärmesegmente werden also in den meisten Fällen der Gesamt-Funktion normaler Kleidung entgegenwirken müssen. Wenn durch lokalen Wärme-Rückhalt eine therapeutische Wirkung erzielt werden soll, dann muss die allgemeine Wärme-Produktion,

wie auch die Wasser-Verdampfung des Menschen im wesentlichen über die anderen Körperpartien abgeführt werden, die nicht. von solchen Segmenten bedeckt werden.


Da die Wirkung der Segmente, wie erläutert, somit von derjenigen des allgemein getragenen Kleidung-Systems abweicht, können sie auch nicht als Teil der normalen Kleidung betrachtet werden. Vielmehr muss ihre Wirkung nach spezifischen Gesichtspunkten erfolgen.


Dazu ist es erforderlich, dass die Wärmesegmente aus den richtigen Textilien hergestellt

werden. Eine hohe Wärmeisolation allein, die relativ leicht durch Anwendung entsprechend dicker Textilien erreicht werden könnte, genügt nicht.


Als zweite Forderung nämlich muss das wärmeisolierende Textil eine gute Feuchtedurchlässigkeit besitzen, um auch bei stärkerer körperlicher Tätigkeit des Trägers oder bei steigender Umgebungstemperatur eine lokale wirksame Schweiß-Verdampfung von der Haut zu ermöglichen.


Ist diese nicht gegeben, sammelt sich zum einen flüssiger Schweiß auf der Haut, was zunächst als außerordentlich unangenehm empfunden wird, bei längerer Dauer aber, wie bereits angeführt, zur Hyperthermie führen kann.


Zum anderen führt übermäßiges Schwitzen dazu, dass sich die hautnahen Textil-Schichten mit flüssigem Schweiß vollsaugen und dieses Schweißwasser erst wieder bei körperlicher Ruhe verdampfen kann, wobei der Haut die dazu erforderliche Verdampfungswärme entzogen wird. Anstatt also den Träger gerade dann, wenn er bei Ruhe eine hohe Wärmeisolation benötigen würde, zu wärmen, wird ein post-exercise-chill herbeigeführt, der gerade für Rheumatiker besonders schädlich ist.


Aus Bekleidungsphysiologischer Sicht lassen sich zur Vermeidung dieser Nachteile und für die Konstruktion therapeutischer Wärme-Segmente die folgenden Kriterien aufstellen:


-hohe Wärmeisolation durch Bausch-elastisches Volumen.

-hoher Feuchtedurchgang durch großen effektiven Diffusion-Querschnitt und kleine effektive Diffusionsweglänge für Wasserdampf


-damit das Textil auch bei einem starken Schweißausbruch nicht ;nass wird, dürfen nur möglichst wenige Berührungspunkte mit der Haut bestehen: abstehende Fäserchen müssen als ;Abstandshalter dienen. Dadurch wird ein Kapillarkontakt zwischen dem Textil und der Haut vermieden. Das auf der Haut evtl. auftretendes flüssiges Wasser wird in das Textil (mit einer Art Löschblatteffekt) hineingezogen. Dadurch wird nicht nur ein unangenehmes Kleben vermieden, sondern wodurch auch die für eine wirkungsvolle Schweißverdampfung unbedingt erforderliche Konvektion in der Luftschicht zwischen Haut und

hautnächster Textil-Schicht unterbunden wird


-die Abstand haltenden Fasern müssen weich sein, damit mechanische Hautsensationen vermieden werden

-hygroskopische Fasern, die Quellungs Wasser in das Faser Innere aufnehmen können, deren Oberfläche aber hydrophob und damit Wasser abstoßend ist, können beim Feuchtetransport den Mechanismus der Wasserdampfdiffusion unterstützen, indem sie bei einem Schweißausbruch eine gewisse Menge flüssiges Schweißwasser wegpuffern;. Dazu muss auch bei ansteigendem Wassergehalt des Faser Innern die Hydrophobie der Oberfläche erhalten bleib


-ein hoher Richtungsanteil der Einzel-Fasern senkrecht zur Gewebefläche erhöht die Schnelligkeit und Wirksamkeit des Feuchtetransports entlang der Faser-Oberflächen.


Die Wärmesegmente müssen gute Gebrauchs- und Pflege-Eigenschaften haben:

-sie dürfen ihr bausch-elastisches Volumen durch die Dehnung beim Tragen nicht verlieren


-sie dürfen nur eine geringe Zusammendrückbarkeit aufweisen

-sie müssen vernünftig waschbar sein, ohne dabei, auch nach längerer Zeit,ihre Bauschkraft einzubüßen.

Diese Kriterien bestimmen also aus Bekleidungs-physiologischer Sicht die Güte eines Wärme-Segments. Zweck der vorliegenden im Auftrag verschiedener Hersteller therapeutischer Wärme Segmente durchgeführten Untersuchung war es, zum einen nach geeigneten Messmethoden und Bewertungskriterien für Güte-Prüfungen zu suchen und zum anderen zu ermitteln, inwieweit die resultierenden Güte-Merkmale von einem repräsentativen Querschnitt der zur Zeit auf dem Markt befindlichen therapeutischen Wärmesegmente erfüllt werden.



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