Autor: Ulrich Bauer sen. D-73751 Ostfildern

mailto:Ulr.Bauer@angora.de

4. Natur "Wolle" und ihre Verwendung für die menschliche Bekleidung. Prophylaktische und Therapeutische Anwendungen. Bekleidung-Physiologische Anforderungen

 

Forschung und Wissenschaft

Feine Tierhaare in Handel,

Verarbeitung und Forschung

-Angora, Kaschmir und Mohair -


Symposium am 10.11.1988 im Haus der Technik in Essen. Tagesveranstaltung (48_300)


Es nahmen ca. 40 Personen an dieser Veranstaltung teil.

Die Leitung der Veranstaltung hatte Prof. Dr. Ing. H. Zahn vom Deutschen Wollforschungsinstitut Aachen.


Wie schon das Thema aussagt, wurden die verschiedensten, handelsüblichen Feintierhaare angesprochen.

Einen großen Raum nahm das Färben und Behandeln der Feintierhaaren vor allem auch in Mischungen mit Wolle ein.

Die Firma Ciba-Geigy Basel hatte hierfür einen eigenen Vortrag belegt.


Besprechung der Arbeit:

Wie schon das Tagungsthema aussagt, ging es allgemein um feine Tierhaare, also Edelwolle.

Ich werde mich hier speziell auf das Thema Angora konzentrieren, wie es bei diesem Symposium behandelt wurde.

Hierzu sprach Dr. J. Mecheels vom Bekleidungsphysiologischen Institut Hohenstein.


Er erwähnte, dass jede Kleidung wozu auch das Bett gehört beim Anziehen sofort mit den physiologischen Funktionen des Körpers in Wechselbeziehung, insbesondere mit dessen Temperaturregulation in Verbindung tritt.


Dr. Mecheels spricht dann von den verschiedenen textilen Eigenschaften, die eine gute Bekleidung ausmacht.

Die Bekleidungsphysiologischen Eigenschaften der Feintierhaare wie Angora, Kaschmir, Mohair ähneln der der Wolle sehr stark.

Sie gehören ebenfalls in die Gruppe der natürlichen Proteinfasern.


Der eigentliche Wärmeisolator in den Textilien ist die eingeschlossene Luft, die möglichst gleichmäßig in der ganzen Faser verteilt sein soll. Die größte Wärmeisolation haben deshalb lockere, voluminöse und flauschige Textilien.

Garne aus Wolle und Feintierhaaren lassen sich sehr locker und flauschig herstellen. Sie sind also gut für wärmeisolierende Textilien.


Man sollte allerdings hier noch etwas tiefer hineinsehen vor allem unter die flauschige, veloursartige Oberfläche. Bei Maschenwaren mit Angora kommt noch hinzu, dass sich die langen Angorahaare an der Oberfläche stark ansammeln und ein sehr großes Volumen einschließen. Auch in diesem Oberflächenbereich ist Luft eingeschlossen die wärmeisoliert.


Für eine Pufferwirkung gegenüber auf der Haut auftretendem Wasserdampf ist sehr wichtig für das menschliche Wohlbefinden, dass auftretender Wasserdampf vorübergehend in Hautnähe zwischengespeichert werden kann; wodurch das Mikroklima zwischen Haut und Kleidung trockener bleibt und flüssiges Wasser auf der Haut vermieden wird.

Hier bewähren sich feine Tierhaare sehr gut.


Was bringen die feinen Tierhaare besonderes? Wie auch die Wolle sind sie in trockenem Zustand an der Oberfläche hydrophob. Die Faseroberfläche stellt also ein gewisses Hindernis für das Eindringen von Wasserdampf in das hygroskopische Faserinnere dar. Je feiner die Haare, desto größer ist aber die Oberfläche der Fasern im Verhältnis zum Volumen, desto besser ist also der Kontakt der Faserinnere mit der Umgebung. Die Austauschgeschwindigkeiten von Wasserdampf dürfte deshalb bei feinen Tierhaaren noch größer sein als bei der gröberen Schurwolle.


Tragen wir hautnah Textilien, die das Rinnen des Schweißes auf der Haut verhindern, dann steigt der Tragekomfort stark an.


Allerdings wird Wolle direkt auf der Haut wegen der kratzenden Wirkung der verhältnismäßig stark verhornten Faserspitzen oft als unangenehm empfunden. Feine Tierhaare haben hier zweifellos Vorteile. Eine der Gründe für die Vorliebe für Angora als wärmeisolierende Unterwäsche liegt sicher in diesem Umstand.


Dr Mecheels beschreibt dann noch die Wirkungsweise der therapeutischen Wärmesegmente. Zum Schluss führt er an:

Feintierhaare sind nicht nur besonders feine Wollabkömmlinge aus denen man sehr schöne und edle Textilien machen kann, sondern sie entfalten auch eine spezielle Bekleidungsphysiologische Wirkung und sind sogar für den therapeutischen Bereich geeignet.


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