Autor: Ulrich Bauer sen. D-73751 Ostfildern

mailto:Ulr.Bauer@angora.de

Angorazucht und Wollverwertung

Vortrag am 26. 3. 2005 an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Dresden- Pillnitz

Verarbeitung der Angorarohwolle zu Produkten und deren Vermarktung

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“...do it yourself“

Filzen>

oder mach selber was daraus! Hierzu können wir alte Techniken wieder aufleben lassen.

Die älteste Technik der Mensch Fasern zu verarbeiten ist das Filzen. Die Wolle wird in einen entsprechend vorbereiteten Rahmen gleichmäßig über die Fläche verteilt und mit Wasser, Seife und einem Rundholz durch Schlagen bearbeitet. Dies bis die Fasern ineinander greifen und filzen. Aus so einem Filz lassen sich Hüte und Bekleidungsstücke durch Zuschnitt und durch das Zusammennähen der Teile anfertigen.


Der Nachteil beim Filz-Produkt ist, dass man ein Bekleidungsstück hat, das sich dem Körper nicht so anpasst. Es fehlt die Dehnfähigkeit! Trotzdem ist es zur Anfertigung zu Hüten, Jacken und Westen sehr gut geeignet.

-Verspinnen und verstricken der Angorawolle.



Es war ein großer Schritt in den Techniken zur Herstellung von Bekleidung, als das Verspinnen der Rohwolle – damals die vom Schaf gewonnene Rohwolle – von unseren Vorfahren erfunden wurde.


Wenn dieser gesponnen Faden verstrickt wird, ergibt dies eine Bekleidung, die sich reinigen und pflegen lässt. Gestrickte Bekleidungsstücke fügen sich besser dem Körper an und sind vor allem waschbar. Auch lassen sich viele Arten von Bekleidungsstücken daraus herstellen.


Im Grunde hat sich, in der Technik des verspinnen und verstricken zu Bekleidungsteilen, in den vielen tausend Jahren nichts verändert. Auch ihre Angorarohwolle lässt sich heute noch auf diese Art und Weise zu Bekleidung verarbeiten. Jedermann kann sich ein Spinnrad kaufen. Volkshochschulen, teilweise auch die Firmen die Spinnräder verkaufen, bieten Kurse zum erlernen der Technik des Spinnens an.


Mit dieser Anleitung, etwas Geschick, Ausdauer und viel Übung kann Jedermann das Verspinnen von Angora Rohwolle erlernen.

Den gesponnen Faden dann zu verstricken und Bekleidungsstücke daraus zu fertigen bietet sich als nächster Schritt an. Beispiele, was sich alles daraus anfertigen lässt, können sie aus meinen Internetseiten: http://www.angora.de/60_500.htmlund den folgenden Seiten ersehen.


Handstrickwaren herzustellen ist heute nicht uninteressant, da „Unikate“, also Einzelstücke, gefragt sind. Wenn diese Modelle dem Modetrend entsprechen finden sich auch Käufer dafür.


In den vergangenen 80 Jahren sind bedeutende Firmen aus Angora Zuchtbetrieben entstanden, Diese haben ihre produzierte Ware auf Märkten, Ausstellungen und im Direktvertrieb oder über den Fachhandel verkauft. Beispiele und Geschichten wie diese Betriebe entstanden sind finden sie auch auf meinen Internetseiten: http://www.angora.de/55_100.html und die folgenden Seiten.


Hier einige Namen: Medima, Awoba aus der früheren Scheurer KG.

Auch soll hier die Firma Teufel genannt werden, die es als erste um 1930 herum fertig gebracht hat Angorarohwolle 100% rein zu einem brauchbaren Industriegarn zu verspinnen, maschinell zu verstricken und dann zu konfektionieren.





Strickwaren: http://www.angora.de/60_600.html

Die Chancen einen guten Einstieg in die Selbstvermarktung der Angoraprodukte zu finden stehen heute besser als je! Hat der Verbraucher in den früheren Jahren die Nase gerümpft, wenn ein Gestrick nicht ganz gleichmäßig war, so gilt dieses heute als Hinweis auf „Handarbeit“. Können sie weiterhin der Kundin erklären, dass es dieses Modell nur einmal auf dem Markt gibt, steigt sein Wert. Hierzu fertigt man bestimmte, gängige Grundmodelle, die man durch entsprechende Ausschmückung und Assesoir verändern kann.



Eine Story aus der Praxis:

Auf Handstrickapparaten in Heimarbeit ließ ich in früheren Jahren (ca. 1986 ) Angorastrickwolle zu Pullovern und Jacken verarbeiten. Hierzu ist es erforderlich eine maschinell gefertigte Handarbeits-Strickwolle mit 50 – 70 % Angoraanteil zu verwenden. Grundmodelle waren auch hier zwei Versionen, die bei jedem Strickteil abgeändert wurden.

Die Verkaufspreise für diese Strickwaren lagen damals schon bei 300.- bis 450.- DM. Auch damals schon ein stolzer Preis. Ganz hochwertige Teile waren mit Strass-Schmuck, Federn und gestrickten Metall-Teilen verziert! Die Preise für diese aufwendigen Teile gingen bis auf DM 800.-- hoch.

Auf einer Messe in Köln hatte ich von diesen Teilen eine beschränkte Zahl als Dekorationsstücke am Ausstellungsstand dabei. Die Ausstellung hatte kaum angefangen, standen schon die ersten Interessentinnen (Ausstellerfrauen von den anderen Ausstellungsständen) da und interessierten sich für die Stricksachen, die an den Wänden dekoriert waren. Da ich nicht gleich die Wände von meinen Strickwaren entblößen konnte, sagte ich zu, Strickteile am letzten Ausstellungstag, am Sonntag-Nachmittag, zu verkaufen.

Was soll ich sagen; am Sonntag – Nachmittag hatte ich die ganzen interessierten Damen am Stand, die die Pullover von der Wand holten. Mehrmals hörte ich die Worte: „Ach, ist der weg, den wollte doch ich“! Selbst die teuersten Pullover wurden verkauft.

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