Autor: Ulrich Bauer sen. D-73751 Ostfildern

mailto:Ulr.Bauer@angora.de

4. Natur "Wolle" und ihre Verwendung für die menschliche Bekleidungs. Prophylaktische und Therapeutische Anwendungen. Bekleidungs-Physiologische Anforderungen

 

Presse Spiegel

Das weiße Gold der Angora-Kaninchen 5. Teil (ges. 7 Teile) (45_505)

1997 Deutscher Kleintier Züchter Nr. 23/97

Was bringen Angora- und Wollprodukte für Vorteile für den Menschen. 

Die Vorteile liegen unbestritten in den guten Trageeigenschaften der Proteinfasern für uns Menschen. Betrachten wir zum Beispiel die Trageeigenschaften des in den Alpenländern für Bekleidung viel verwendeten Lodenstoffes.

Es muss ja Gründe geben, warum die Menschen diese Art der Bekleidung seit vielen Jahrhunderten verwenden.

 

Grob gesagt, ist Lodenstoff verfilzte Wolle, die flach ausgearbeitet zum Zuschnitt von Bekleidung verwendet wird. Mit Hilfe dieser Bekleidung konnte sich der Mensch den rauen, klimatischen Bedingungen zum Leben in der Bergwelt anpassen. Allerdings gehe ich bei meinem Beispiel von

naturbelassenem Loden aus, bei dem die Wollfaser nicht ( wie heute oft üblich) chemisch verändert wurde.

 

Als Beispiel: Ein Bergbauer geht auf seine Alm 

Begleiten wir einen Bergbauern, der zu seiner Alm aufsteigt. Oft bedeutete dies früher einen stundenlangen, schweißtreibenden Aufstieg mit mehreren hundert Meter Höhenunterschied.

Als Bekleidung hat er seinen Lodenumhang, Mantel oder seine Lodenjacke übergezogen. Schon nach kurzer Wegstrecke tritt Transpirationsfeuchtigkeit auf der Haut auf. Der Mann kommt, wie wir landläufig sagen, zum schwitzen.

Nun wirken die Wollfasern wie Dochte die den Schweiß vom Körper absaugen. Sie, nehmen die Feuchtigkeit in die Faser auf und geben diese Feuchtigkeit unmerklich und langsam nach außen ab. Dadurch wird die darunter liegende Haut trocken gehalten. (Weitere Einzelheiten über diese Funktion im nachfolgenden Kapitel).

 


 

Regen fällt, wie wir alle wissen, in den Bergen sehr häufig und oft überraschend. Unser aufsteigender Bauer kommt in einen Regenschauer. Nun tritt auf, was Prof. Dr. Ing. Helmut Zahn ( früher, bis zur Verabschiedung in den Ruhestand, am Wollforschungsinstitut in Aachen tätig) das

"Benetzbarkeits-Paradoxon der Wolle" nennt. Haben bisher dieselben Fasern den Körperschweiß abgesaugt und nach außen transportiert, so lehnen diese Fasern die von außen kommende Nässe, den Regen, ab und lassen diesen an dem Kleidungsstück außen ab-laufen. Dies macht die Wollfaser von Natur aus, sie braucht dazu nicht "imprägniert", also behandelt zu werden.

 

Wolle kann von der Körperfeuchtigkeit bis zu 34 Gew.%Wasser aufnehmen ohne sich nass anzufühlen. Wird aber kaltes Wasser von außen auf die Wolle gebracht so wird dieses Wasser von der Wollfaser abgelehnt und läuft an dem Kleidungsstück außen ab.

Dieses Verhalten zeigt sich auch, wenn sie ein Wollenes Teil in kaltes Wasser tauchen. Es benötigt lange Zeit bis das Wasser von dem Woll Teil

angenommen wird. Die Wolle sträubt sich zuerst, das von außen kommende kalte Wasser anzunehmen.

Dieses scheinbar paradoxe Verhalten erklärt sich mit der Struktur der Wolle.

 

Mechanismus der Wollfunktionen.

Auf der einen Seite haben wir in der Wolle eine Faser die:

1. "hygroskopisch"ist. Sie hat ein Quellvermögen

in ihrem Innern. Kann Feuchtigkeit (Schweiß) in sich aufnehmen, speichern und diese Feuchtigkeit langsam nach der anderen Seite der Bekleidung, nach außen abgeben.

 

2. "hydrophob"ist und von außen kommende kalte Nässe abweisen und außen ableiten kann.

Betrachten wir zuerst die hygroskopische Wirkung der Wollfaser. Es ist nicht damit getan, wie das oft bei Funktionswäsche beschrieben wird, dass nur die Feuchtigkeit vom Körper wegtransportiert werden muss, um keinen nasskalten Schweißrückschlag von dem Kleidungsstück zu erhalten.

Rasch aufgesaugter und wegtransportierter Körper-schweiß führt dazu, dass die Verdunstung zu rasch vor sich geht und die zur Verdunstung benötigte Energie dazu vom menschlichen Körper geholt wird.

Wir kennen dies alle aus unserer eigenen Erfahrung, z.Beispiel bei eng anliegender Baumwollunterwäsche. Einmal Nass geschwitzt wirkt sie kalt und unangenehm am Körper.

Deshalb ist ein "Feuchtigkeitsdurchgangswiderstand" und eine Möglichkeit des "Zwischen speichern der Nässe", des Körperschweißes, erforderlich. Die Feuchtigkeit darf nur so dosiert nach außen geleitet werden, dass kein unangenehmes, kaltes Nässegefühl am Körper durch den Absorber-Effekt des Bekleidungsstückes auftritt. (Dieser für Wäsche negative Effekt wird jedoch zur technischen Funktion unseres Kühlschrankes erfolgreich angewendet.)

 

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