Autor: Ulrich Bauer sen. D-73751 Ostfildern

Ulr.Bauer@angora.de

4. Natur "Wolle" und ihre Verwendung für die menschliche Bekleidungs. Prophylaktische und Therapeutische Anwendungen. Bekleidungs-Physiologische Anforderungen

 

Kaschmir, Cashmere Ziege

Eine der feinen Wollfasern der Natur

Die bekannteste Edelwolle ist die Kaschmir(Cashmere)-Wolle. Sie stammt von der Kaschmirziege, einer Ziege, ähnlich unserer Hausziege.

Es gibt sie überwiegend in den Farbschlägen: schwarz, braun und weiß. Wie schon der Name besagt, ist der ursprüngliche Lebensraum die Hochgebirgswelt um Kaschmir. In diesem rauen Klima und bei entsprechenden Höhenlagen bildet sich bei der Kaschmirziege eine Unterwolle (Duvet), die das Tier auch Temperaturen mit 40 Grad Kälte überstehen läßt. Je härter die Umweltbedingungen, desto schöner und dichter das wärmende Flaumhaar unter der groben, glatten Granne.


Im Frühjahr wechselt die Kaschmirziege ihr Haarkleid Der Hirte kämmt oder striegelt die Tiere um die Wolle zu gewinnen. Er will ja nicht die Wollbüschel von den Hecken und Felskanten ablesen müssen. Da die Ziegen in einer rauen Landschaft leben, findet sich in den gewonnenen Duvet allerhand Schmutz und natürlich auch Wollfett und grobe Deckhaare.

 


 

Hirte beim striegeln, auskämmen der Wollhaare der Kaschmirziege

Die so gewonnene Wolle zeigt noch nichts von ihrer Feinheit. Erst müssen noch die Grannen von dem feinen Vlies getrennt werden. Dies erfolgt mit Hilfe von Zentrifugalkraft . Die groben Deckhaare werden weggeschleudert.

Die Deckhaare finden Verwendung als Seile und Matten, das feine Vlieshaar ist jedoch wertvoll wie Gold.


Von einer Ziege gewinnt man etwa 100g Duvet. In das verarbeitete Material gelangt aber nur etwas mehr als die Hälfte davon. So kommt es, daß ein echter Kaschmirschal etwa die Jahres-Woll-Produktion von 1 - 2 Kaschmirziegen ist.


 

Durch die Bindung der Kaschmirziege an Klima, Umweltbedingungen und Höhenlagen läßt sich die Zucht der Tiere nicht beliebig ausweiten. Dadurch kann weltweit nur eine begrenzte Menge echter Kaschmirwolle gewonnen werden.

Heute sind die Erzeugerländer: China, Mongolei, Iran, Afghanistan, aber auch in geringem Umfang Australien. Die Feinheit der Kaschmirwolle liegt zwischen 14 bis 19 Mikron( 1/1000tel Millimeter). Echte Kaschmirwolle ist tatsächlich teuer wie Gold und trotz Preisen von DM 300.- und mehr für 1 kg Rohwolle sehr gefragt.

 


 




 

PASHMINA wird aus dem feinen, weichen Unterhaar der Himalaya Capra Ziege gewonnen. Die Wolle ist noch feiner als Cashmere und ist der Winterschutz der Tiere, die in den Hochtälern bis 4500m und bis -30°C leben. Das Flaumhaar wird traditionell mit Holzkämmen unter dem Deckhaar ausgekämmt, die Einzelfasern sind so fein, dass sie kaum noch sichtbar sind. Es ist nur möglich, sie in alten überlieferten Techniken aufwändiger Handarbeit weiterzuverarbeiten: Spinnen - Weben - Färben. Für einen einzigen Schal wird die Wolle von 2-3 Ziegen benötigt.

Nach dem extrem kalten und langen Winter - bis minus 40 Grad Celsius - beginnt die Erntezeit für Cashmere. Das zarte Flaumhaar wird durch Auskämmen und Aufsammeln in freier Natur gewonnen. Eine Schur der Ziegen ist nicht möglich. Die Tiere würden in den kalten Nächten erfrieren.
Bereits beim Auskämmen und Aufsammeln wird das Rohmaterial nach Güteklassen und Farbe sortiert. Beim Eintreffen in den Sammelstellen in den Herkunftsländern erfolgt eine nochmalige manuelle Selektion. Das verbleibende Rohmaterial wird maschinell vom Restanteil an Schmutzhaar befreit und gewaschen. Danach gelangt das Zwischenprodukt nach Italien, wo sich die besten und erfahrensten weiterverarbeitenden Betriebe befinden. Das Rohmaterial wird nochmals gereinigt, gefärbt und zu hochwertigen Garnen versponnen.

Nach all diesen Verarbeitungsprozessen verbleiben von etwa 100 bis 200 Gramm Rohcashmere je Ziege noch ca. 30 bis 50 Gramm Material, welches zur Weiterverarbeitung verwendbar ist.

Ein Pullover aus 100% Cashmere wiegt circa 200 bis 500 Gramm.

 


 

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