Autor: Ulrich Bauer sen. D-73751 Ostfildern

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Angora Kaninchen > Zucht, Haltung und die Verwertung der Angora Wolle

Internationaler Angora Kurs am 27+28 April 1985 in Dornbirn-Vorarlberg

Teil 5: Nützliches »Küngele«

Arthur Zesiger, Präsident des Verbandes Schweizer Angorazüchter, sprach über »Die Angorazucht«. Auch Zuchtfreund Zesiger hielt seinen Vortrag in Schweizer Dialekt. Durch seine Mimik und Gestik beim Vortrag wurde jedoch manches geklärt. Er meinte, dass das Angorakaninchen das einzige »Küngele« ist das was abwirft, bevor es in die Pfanne kommt. Nach seiner Meinung muss das Rupfen dem Tier an-gezüchtet sein. Zum Rupfen braucht er pro Tier etwa 30 Minuten bis 1 Stunde. Zesiger meinte, dass das Rupfen für das Tier in volle Wolle eine Wohltat sei. Auch beim Schere» könnte man ja die Tiere verletzen. Die Schweizer Produktion umfasst etwa 350 — 400 kg Angora Wolle pro Jahr.

 

Arthur Zesiger ist seit 24 Jahren Präsident der Angorazüchter. Die Angorazüchter in der Schweiz umfassen 150 Clubmitglieder, von denen im vergangenen Jahr 77 Züchter Rohwolle in Höhe von 326 kg abgeführt haben.

 

Das Rupfen der Wolle

Zuchtfreund Zesiger führte dann das Rupfen des Angorakaninchen vor. Dazu setzte er sich auf einen Stuhl. drehte das Tier in die Rückenlage und klemmte den Kopf unter dem Arm ein. Begonnen wurde mit dem Rupfen am Hinterteil des Tieres. Nebenher erzählte Zesiger, dass die Abnahme der Angorawolle in den vergangenen Jahren enormen Preisschwankungen unterworfen war. Z. Z. ist die langhaarige, gerupfte Angorawolle sehr gefragt und erzielt Höchstpreise. Ob dies jedoch so weiter geht, ist nach seiner Erfahrung nicht sicher.

 

Auch kam er noch auf das Einkreuzen von farbigen Tieren zu sprechen. Diese Farben Einkreuzungen seien jedoch nach der dritten Generation wieder vollständig verschwunden. Auf jeden Fall würden sie durch dieses Einkreuzen sehr robuste Angorakaninchen erhalten. Es sei bei ihnen möglich, dass sie einen Rammler auch vier Monate in der vollen Wolle behalten können, ohne dass diese verfilzt.

 

Bei diesen Einkreuzungen wurden die Mendelschen Vererbungsgesetze nicht immer zutreffen. Niemand kann genau bestimmen, was für Jungtiere ein Wurf ergibt. Mit Natur und Kreatur sei kein Vertrag abzuschließen, der eingehalten wird. Man kann viel reden oder zu Papier bringen, aber ob es stimmt, erweist immer wieder erst die Praxis.

 

Die Futtermittel sind in der Schweiz sehr teuer. Ferner ist auch für den Angorazüchter die Platzfrage ein großes Problem. Wo bringt man 500 Angorakaninchen in Einzelboxen unter? Ein Mietzins für eine Halle sei viel zu teuer. Auch muss man überlegen, wie lange es geht, bis man 500 Angorakaninchen beieinander hat. Seine Aufgabe ist es. die Angorazucht so populär wie möglich zu machen; dabei ist er sich aber sicher, dass die Angorazucht nie über einen Hobbystand hinaus-kommen wird.

 

Im Schweizer Angora-Club gibt es vier Sektionen: Bern — Zentralschweiz — Zürich und Säntis. Für die Sortierung der gerupften Angorawolle wird vorgeschrieben: Sorte 1 über 7 cm, Sorte 2: 4 — 7 cm, Sorte 3: unter 4 cm, Filz 1 sauberer Filz, Filz II verschmutzter Filz, Die gerupfte Angorawolle soll möglichst nicht in Plastiksäcken aufbewahrt werden. Ferner sind vor dem Rupfen sämtliche Fremdkörper aus der Wolle zu entfernen. Man muss Wert darauf legen, dass die Wolle sauber ist.

 

Getupft wird mit zwei Fingern. Dabei wird die Angorawolle in kleinen Partien ausgerupft. Es wird eine Stelle frei gerupft und ständig wie beim Scheren an der Außenseite weitergemacht. Häsinnen sind besser zu rupfen als Rammler — Kastraten geben so viel Wolle wie die Häsinnen. Nach dem Rupfen braucht das Tier im Sommer ca. 16 Tage, bis wieder ein Flaum erscheint, im Winter ca. 24 Tage, bis die Wolle wieder nachzuwachsen beginnt. Gedeckt wird erst ca. 30 Tage nach dem Rupfen, wenn sich das Tier wieder erholt hat.

 

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