Zur Geschichte der Zucht- und Leistungprüfung von Angorakaninchen

Prof. Heinz Pingel, Institut für Tierzucht und Tierhaltung mit Veterinärklinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,

Dr Manfred Golze und Romi Wehlitz, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Referat Tierhaltung, Tierfütterung, Köllitsch.

Teil 5: Export von Angorakaninchen nach China ( 21_150 )

Bei Betrachtung der Zuchtgeschichte des Angorakaninchens in Deutschland muss zwangsläufig ein Blick auf die Entwicklung der Angorakaninchenzucht in China geworfen werden, denn mit dem Export von etwa 20000 Zuchttieren nach China nach 1978 und dem Aufbau eines Zuchtzentrums für Angorakaninchen in der Provinz Jiangsu mit Unterstützung der GTZ wurde die Angorakaninchenzucht in China nachhaltig beeinflusst.

Während die Jahreswollmenge Ende der 70er Jahre noch bei 300 g lag, werden gegenwärtig 1500-2000 g im Jahr erreicht. Die systematischen Kreuzungen deutscher Angorakaninchen mit lokalen chinesischen Angorakaninchen oder mit Normalhaarrassen mit nachfolgender zielstrebiger Leistungsselektion in großen Populationen führte zu einem höheren Leistungsniveau als es gegenwärtig in Deutschland besteht.

 In China wurden verschiedene Rassen gezüchtet. Die Tanghang-Angoras entstanden aus der  Kreuzung von deutschen Angoras mit lokalen Angoras, die in den 50er Jahren durch Kreuzung französischer und englischer Angoras mit Chinesischen Weißen entstanden waren.

Die WAN Angoras sind aus der reziproken Kreuzung deutscher Angoras mit Weißen Neuseeländern in der Provinz Anhui entstanden.

In der F1 und F2 erfolgte jeweils eine Rückkreuzung auf deutsche Angorakaninchen, so dass in der F3 ein Genanteil der deutschen Angoras von 87,5% vorlag. Ab der 3. Generation wurde die Kreuzungspopulation bei scharfer Selektion  in sich weiter gezüchtet.

Ab 1987 erfolgte die Selektion nach einem Selektionsindex, in dem  Körpergewicht, Wollmenge und Anteil Grannen berücksichtigt werden.. Shen und Zhai (1996) schätzten Erblichkeitsgrade für die Wollmenge mit h²=0.26-0.33 und für Grannenanteil mit h²=0,13-0,21..

 Bis zum Jahre 2000 wurden die Kriterien deutlich verbessert, wie Tabelle 7 zeigt.

Tab.7 . Entwicklung der Leistung von WAN-Angoras (ZHAO et al., 2004)

 

1987

2000

11-Monatsgewicht, g

3833

4258

73-Tageschur 11. Mon., g

188

294

Anteil grober Wolle, %

10,8

15,9

Lebendgeborene je Wurf

6,6

6,8

Verluste bis 42. Lebenstag, %

7,4

8,3

Die Jahreswollmenge ist in 14 Generationen von 940 g auf 1470 g erhöht worden. Gleichzeitig konnte der Anteil an Grannen bzw. grober Wolle von 10,8 % auf 15,9 % gesteigert werden. Die Grannenhaare haben im Mittel eine Länge von 11,6 cm und eine Feinheit von 47 µmm. Für die feinen Wollhaare wird eine Länge von 7,4 cm und eine Feinheit von 15,6 µm ausgewiesen. Die chinesische Verarbeitungsindustrie bevorzugt eine Angorawolle mit höherem Grannenanteil.

In der Provinz Zhejiang wird in dem Zuchtzentrum Ningbo das Zhenhai Riesen Angorakaninchen auf der Basis von 200 Rammlern und 800 Häsinnen züchterisch bearbeitet. Im Jahre 2000 lag der Jahresdurchschnitt bei 5 Schuren (alle 73 Tage) bei männlichen Tieren bei 1715 g und bei weiblichen bei 1914 g. Den Rekord hält eine Häsin mit 2955 g (  YAN HANPING u. a., 2002).

 In einem Zuchtbetrieb bei Rushan City (Provinz Shandong) mit einem Bestand von 5000 Tieren gilt als untere Selektionsgrenze für Wollmenge 400 g in der 3. Schur bei einem Schurintervall von 73 Tagen. In diesem Betrieb lag der Rekord bei 660g Wolle aus der 3. 73-Tageschur bzw. bei 3300 g Jahreswollertrag.

<<<zurück zur letzten Seite

weiter zur nächsten Seite>>>

<<<zurück zur letzten Übersicht

weiter zur nächsten Übersicht>>>

<<<zurück zur Hauptübersicht

eMail: Ulr.Bauer@angora.de