Zur Geschichte der Zucht- und Leistungprüfung von Angorakaninchen

Prof. Heinz Pingel, Institut für Tierzucht und Tierhaltung mit Veterinärklinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,

Dr Manfred Golze und Romi Wehlitz, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Referat Tierhaltung, Tierfütterung, Köllitsch.

Teil 3: 1934 bis 1945 ( 21_130 )

Die LVA Kiel-Steenbeck begann 1934 mit der 1. ALP. Am Tierzuchtinstitut Halle wurde 1935  mit der ALP begonnen und bis zur Hochschulreform 1968-1970 fortgesetzt. Die Stallanlage mit 36 Buchten musste noch 1935 um 24 Buchten erweitert werden, um die Wünsche nach Beschickung der ALP erfüllen zu können. In den 50er Jahren war die ALP auf 300 Prüfplätze ausgebaut worden.

Aus den Ergebnissen der 1. Leistungsschur vom 21.-28 November 1935 in der ALP Halle geht hervor, dass bei einheitlicher Haltung und Fütterung bedeutende Unterschiede zwischen den Tieren bestehen. Sie schwanken zwischen 62 und 121 g bei den Rammlern und zwischen 95 und 167 g bei den Häsinnen. 

Tab. 2. Ergebnisse der 1. Leistungsschur von Angorakaninchen (Wollwachstumszeit 14 Wochen)

 

Rammler

Häsinnen

Anzahl

17

9

Wollertrag, g

102 (121-62)

122 (167-95)

Wollertrag je kg Körpergewicht, g

29,6 (35,9-20,1)

32,1 (47,2-26,5)

Rel. Leistung in RM

(Wollpreis-Futterpreis)

0,64 (1,27-0,40)

1,22 (2,18-0,44)

 Um das wirtschaftlich wertvollste Angorakaninchen herauszufinden, wurden von FRÖLICH und TEGTMEYER (1938) zwei Wege beschritten. Zum Ersten die Ermittlung der relativen Leistung durch Errechnung des Geldwertes für die geschorene Wolle auf der Grundlage der Preise für die unterschiedlichen Qualitäten und der Subtraktion der Futterkosten entsprechend dem Futteraufwand.

Zum Zweiten die Errechnung der Wollmenge je kg Körpergewicht. Der Gesamtwollertrag je kg Körpergewicht schwankte von 20,1 bis 35,9 g bei Rammlern und von 26,5 bis 47,2 g bei Häsinnen.

Die Erfahrungen aus den ersten ALP’s wurden 1938  in einer neuen Prüfungsordnung niedergelegt. Weiterhin wurden  für die Überwachung der Leistungen von Angorakaninchen in den Züchtervereinigungen Richtlinien für die Durchführung von Schurkontrollen für Angorakaninchen in den Orts- und Sondervereinen aufgestellt.

Die ALP wurde durch 2 neue Prüfanstalten an den LVA für Kleintierzucht in Hamm (Westfalen) und in Ohlau-Baumgarten (Schlesien) erweitert und das Tierzuchtinstitut in Halle erhielt 1938 eine Außenanlage mit 108 Einzelbuchten.

Bis 1945 konnten somit in Halle 810 Angorakaninchen von 168 Züchtern, überwiegend aus Sachsen-Anhalt, Sachsen, Bayern, Thüringen und Brandenburg, geprüft werden. Es muss aber kritisch angemerkt werden, dass über 90 % der Züchter sich nur mit 1-10 Tieren an der ALP beteiligten, so dass eine züchterische Auswertung nur in wenigen Zuchten erfolgen konnte.

Aus dem Grunde war anfangs auch keine wesentliche Leistungssteigerung erkennbar. Sicherlich spielten auch die Bedingungen im Krieg eine negative Rolle.

   Wie sich die durchschnittliche Wollmenge in der ALP Halle von der 1. Prüfung bis zur Gründung des Angoraherdbuches im Jahre 1948 entwickelte, geht aus den Tabellen 3 und 4 hervor.

 Tab. 3. Entwicklung der Leistungen von Jungrammlern in der ALP Halle von 1935-1947 (TEGTMEYER, 1949)

Jahr

Tierzahl

Jahreswollmenge

Wolle je kg Körpergewicht  g

Wert der Wolle, DM

bis 1938

29

299

106,3

9,98

1943

36

380

128

12,00

1947

25

435

149

14,59

Tab. 4.  Entwicklung der Leistungen von Junghäsinnen in der ALP Halle von 1935-1947 (TEGTMEYER, 1949)

Jahr

Tierzahl

Jahreswollmenge

Wolle je kg Körpergewicht  g

Wert der Wolle, DM

bis 1938

28

359

120

12,15

1943

39

435

139

14,86

1947

16

485

156

17,38 

Neben der Einrichtung der ALP und ersten Ansätzen einer Herdbuchzucht kamen in den 30ern verschiedene andere Förderungsmaßnahmen zur Wirkung, um die Angorawollproduktion zu steigern.

Ab 1934 fungierte die Angorakanin-Wollverwertung GmbH Leipzig, Reichsstraße 12 als Abnehmer für die Angorawolle.

Zu dieser Zeit wurde für Angorawolle gezahlt:

Qual. I (peinlich sauber > 7 cm) je kg RM 30,-

Qual. II (peinlich sauber bis 7 cm) je kg  RM 22,-

Qual. III a (peinlich sauber bis 3 cm) je kg RM 12,-

Qual. III (sauberer Filz verworrene und klettige Wolle) je kg RM 9,-

Qual. III b (schmutziger Filz, schmutzige Wolle) je kg RM 4,50

Die Förderungsmaßnahmen, wie Beihilfen zum Bau von Kaninchenställen und zur Beschaffung von Zuchttieren, wirkten sich vor allem auf die Erweiterung des Bestandes an Angorakaninchen aus.

Die Viehzählung im Dezember 1938 ergab bereits 228.000 Angorakaninchen. Der eigentliche Grund für diese Förderung lag darin, dass Angorawolle als kriegswichtiger Rohstoff betrachtet wurde. Angorawolle diente der Herstellung von warmer Kleidung für Piloten. Deshalb wurde während des Krieges Angorawollproduktion in den Fliegerhorsten mit  ca. 25000 Tieren betrieben.


Außenstallanlage der ehemaligen Angorleistungsprüfung im Institut für Tierzucht der Universität Halle.

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eMail: Ulr.Bauer@angora.de