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Zur Geschichte der Zucht- und Leistungprüfung von Angorakaninchen |
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Prof. Heinz Pingel, Institut für Tierzucht und Tierhaltung mit Veterinärklinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, |
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Dr Manfred Golze und Romi Wehlitz, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Referat Tierhaltung, Tierfütterung, Köllitsch. |
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Teil 2: Übergang zum 20. JH ( 21_120 ) |
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Mit den Wirren der Napoleonischen Kriege sind die Ansätze einer Angorawollproduktion zum Erliegen gekommen. Auch das Fehlen einer Verarbeitungsindustrie für Angorakaninwolle in Deutschland zu dieser Zeit hat dazu beigetragen, dass der Aufbau einer Angorawollproduktion erfolglos blieb (BAUER, 2004). |
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In Brehms Tierleben, (3. Aufl. 1890,Band 2, S. 639), heißt es demzufolge:Das angorische oder Seidenkaninchen hat kürzere Ohren und einen sehr reichlichen, weichen Pelz; sein langes, gewelltes Haar reicht oft bis zum Boden herab und hat seidenartigen Glanz. Leider ist es sehr zärtlich und verlangt deshalb sorgfältige Pflege. Versuche, es in Deutschland heimisch zu machen, schlugen fehl. |
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Ende des 19. Jahrhunderts fand das Angorakaninchen im Rahmen der allgemeinen Entwicklung der Rassekaninchenzucht in Deutschland wieder mehr Interesse, aber vor allem als Ausstellungstier. Das Zuchtziel in dieser Zeit sah man in einem großrahmigen Tier von 4-6 kg, das sich durch ein lang abwachsendes Wollvlies von 20-30 cm Länge auszeichnete. Um die Tiere in gute Ausstellungskondition zu bringen, war ein immenser Pflegeaufwand erforderlich. Deshalb blieb der Züchterkreis klein. Auch zu dieser Zeit waren die typischen Haarbüschel noch nicht vorhanden. Auf der 1885 erstmalig in Chemnitz veranstalteten Kaninchenausstellung waren unter den fünf gezeigten Rassen auch Angorakaninchen. Das Tier mit den längsten Haaren, gemessen mit dem Zollstock, bekam die höchste Bewertung. |
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Nach TÄNZER (1932) hat die Angorakaninchenzucht erst nach dem 1. Weltkrieg einen größeren Aufschwung erlebt. Da es in England und Frankreich mit einer gut entwickelten Wollindustrie zu einer starken Nachfrage nach Angorawolle kam, stieg bei deutschen Züchtern von Angorakaninchen das Interesse. Die ständigen gravierenden Schwankungen in den Wollpreisen zwangen aber viele Züchter, ihre Angorazucht wieder aufzugeben. |
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Ein Teil der Züchter hielt jedoch an der mühevoll aufgebauten Angorakaninchenzucht fest. Als Spezialist für Wollkunde sah Dr. Tänzer vom Institut für Tierzucht und Molkereiwesen der Universität Halle deshalb eine lohnenswerte Aufgabe darin, trotz der stark gesunkenen Preise für Angorawolle, die Angorakaninchenzucht wirtschaftlich zu gestalten. Der ständige Wechsel in Angebot und Nachfrage mit großen Preisschwankungen veranlasste TÄNZER (1932) zu folgender Schlussfolgerung: |
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Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, dass auch in den Ländern mit alter Angorakaninchenzucht und mit heimischen Verarbeitungsindustrien immer Konjunkturschwankungen zu verzeichnen sind. Das sollte ein Hinweis auf die zukünftige Entwicklung der Zucht sein, die einmal vor übertriebenen Hoffnungen warnt und den Züchtern Veranlassung gibt, vorsorgend die eigene Verarbeitung zu betreiben. |
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Um die Verarbeitung der Angorawolle in Züchterkreisen zu propagieren, führte Dr. Tänzer als Experte für Wollkunde am genannten Institut Lehrgänge durch. Diese befassten sich mit der Verarbeitung der Angorawolle von der Wollgewinnung bis zur Herstellung fertiger Kleidung. |
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Mit dem Entstehen der ersten Spezialzüchtervereine für Angorakaninchen, wie dem Deutschen Angorazüchter-Bund mit Karl Burkhardt, Hohenmölsen (Sachsen-Anhalt), als 1. Vorsitzenden und Privatdozent Dr. Tänzer, Tierzuchtinstitut.Halle, als Leiter des wissenschaftlichen Beirates dieses Bundes, wurden die Gedanken einer Leistungszucht des Angorakaninchens Schritt für Schritt umgesetzt. |
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Auf Grund der Kontakte Dr. Tänzers zu englischen Stammzuchten, die er anlässlich einer Studienreise knüpfte, konnten wertvolle Zuchttiere aus England importiert werden. Der englische Angoratyp war besonders gekennzeichnet durch geringes Körpergewicht, starke Ausbildung der Ohr- und Stirnbüschel, dichte, feine Wolle und geringen Anteil an Grannenhaaren. Auch heute ist das englische Angorakaninchen nach Sandford (2002) mit 2,75 kg Körpergewicht relativ klein und hat einen Jahresertrag von 350 g feiner Wolle. |
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Vor der gezielten Einkreuzung englischer Zuchttiere war das deutsche Angorakaninchen mit bis zu 5 kg relativ groß und hatte keine oder eine nur schwach angedeutete Büschelbildung. Das grannenreiche Haarkleid wies bei geringem Besatz an gekräuseltem Wollhaar ein starkes Längenwachstum auf. Wenn Wollernte betrieben wurde, erfolgte sie durch Rupfen. TÄNZER (1932) wies jedoch entsprechend den Erfahrungen in England darauf hin, dass die Angorakaninchenwolle durch Scheren gewonnen werden sollte als Voraussetzung für die Herauszüchtung eines Angorakaninchens mit kontinuierlichem Wollwachstum.
Aus den Abstammungsnachweisen von Angorakaninchen, die an den ersten Leistungsprüfungen in Halle teilnahmen, geht eindeutig hervor, dass die deutschen Zuchten häufig Angorakaninchen rein englischer Abstammung als Stammtiere benutzten. |
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Nach Einkreuzung englischer Zuchttiere in Form der Veredlungs- und Verdrängungszüchtung wurde oft bis zu einem gewissen Grad Inzucht angewandt. Dieser folgte der Einsatz von Zuchttieren aus anderen Zuchten (so genannte Blutauffrischung), um eine gute Konstitution als wesentlicher Forderung des Zuchtzieles zu gewährleisten. |
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Bei der züchterischen Bearbeitung der Angorakaninchen in relativ kleinen Zuchten mit einem Wechsel zwischen kontrollierter Inzucht und Einkreuzung nicht verwandter Tiere ist eine enge Zusammenarbeit in einer Züchtergemeinschaft erforderlich. Deshalb wurde schon 1938 von FRÖLICH und TEGTMEYER (1938) im Tierzuchtinstitut Halle ein Vorschlag zur Einrichtung eines Angoraherdbuches unterbreitet |
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Das Zuchtziel wurde damals wie folgt formuliert: |
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Die Deutsche Angorakaninchenzucht bezweckt, ein mittelschweres Tier in mittelgroßem Rahmen zu erzeugen, das bei vorwiegender Fütterung von Abfällen dauernd reichlich Wolle eines hohen Gebrauchswertes bei möglichst geringem Arbeitsaufwand erzeugt, hohe Fruchtbarkeit mit bestem Aufzuchtvermögen verbindet und diese Anlagen sicher vererbt. |
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Die Autoren setzen sich im Zusammenhang mit dem Zuchtziel über den Anteil an Grannenhaaren im Vlies auseinander. Für die Ausstellungszucht bestand die Forderung nach einer möglichst grannenfreien Wolle. Seitens der Absatzgenossenschaft für Angorawolle wurde bei der Anerkennung von Angorawolle als 1. Qualität kein Unterschied bezüglich grannenreicherer und ärmerer Wolle gemacht. |
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Entscheidend war die Länge der Wollhaare, das Freisein von verworrener Wolle und Filz und peinliche Sauberkeit. In dem Sortierungsschema war die Granne überhaupt nicht erwähnt. Nach einem Rundschreiben von 1936 beurteilt die Angorawoll-Verwertung den Grannengehalt der Angorawolle folgendermaßen: Feine oder grannige Wolle? Beide haben ihre Berechtigung. In letzter Zeit wird grannige Wolle wegen der Erzielung besonderer Effekte wieder stärker gefragt. Die Zucht von grannigen Tieren, die auch weniger Pflege erfordern, ist also durchaus empfehlenswert. |
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Interessant ist in diesem Zusammenhang das Bemühen der chinesischen Angorakaninchenzüchter um Selektion auf höheren Grannengehalt |
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Das Niveau im Wollertrag war in den 30ger Jahren noch sehr niedrig und uneinheitlich, was beispielsweise aus den Ergebnissen einer Kontrollschur von 1939 hervorgeht (Tabelle 1). |
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Tab. 1. Variation im Wollertrag (13 Wochenschur) auf der Reichskleintierschau 1939 in Leipzig (JOPPICH, 1946) |
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> 175 g |
150-174 g |
125-149 g |
100-124 g |
75-99 g |
50-74 g |
25-49 g |
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351 Rammler |
- |
- |
3 |
93 |
174 |
49 |
2 |
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1042 Häsinnen |
2 |
13 |
141 |
364 |
354 |
119 |
5 |
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Der größte Teil der Tiere liegt im Bereich von 75-125 g. Umgerechnet auf 4 Schuren sind das 300-500 g im Jahr. |
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Wegen der großen Schwankungen im Wollertrag erarbeitete Dr. Tänzer einen Vorschlag zur Einführung von Leistungsprüfungen für Angorakaninchen, mit dem Ziel, unter einheitlichen Bedingungen die Leistungen der Tiere exakt zu prüfen und darauf eine planmäßige Leistungszucht zu begründen. Dieser Vorschlag wurde bei dem Sonderausschuss der DLG für Kaninchenzucht im Dezember 1932 eingereicht und vom Preußischen Landwirtschaftsministerium unterstützt, indem die erforderlichen Mittel zum Bau der Leistungsprüfung im April 1933 bereitgestellt wurden. |
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Hierbei spielte auch Jan Gerriets als Förderer der Kleintierzucht eine Rolle. Der für den 1.10.1933 festgesetzte Beginn der Prüfungen in Halle musste leider abgesagt werden, da der Prüfungsleiter, Dr. Tänzer, kurz vorher verstorben war. In den Statuten des von Karl Burkhardt, Hohenmölsen, geleiteten Deutschen Angorazüchterbundes, der bis 1933 bestand, war schon die Beteiligung der Mitglieder an der ALP vorgesehen gewesen. |
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eMail: Ulr.Bauer@angora.de |
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