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Zur Geschichte der Zucht- und Leistungprüfung von Angorakaninchen |
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Prof. Heinz Pingel, Institut für Tierzucht und Tierhaltung mit Veterinärklinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, |
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Dr Manfred Golze und Romi Wehlitz, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Referat Tierhaltung, Tierfütterung, Köllitsch. |
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Teil 1: 15. bis Mitte des 19. Jahrhunderts ( 21_110 ) |
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Die erste literarische Erwähnung des Angorakaninchens erfolgte wahrscheinlich in dem Buch von Mortimer The Whole Art of Husbandry, 2. Ausgabe von 1708. Im Kapitel IX, das dem Kaninchen gewidmet ist, wird im letzten Satz the white thock Turky Rabbet (das weiße langhaarige Türkenkaninchen) als besonders wertvolles Kaninchen erwähnt (NEUMEISTER, 1957, SANDFORD, 2002). |
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Die Abb. 1 enthält eine Kopie, die Dr. Neumeister vom Britischen Museum in London erhielt. Diese Mitteilung enthält sowohl den Hinweis auf Langhaarigkeit als auch auf weiße Farbe. Neben dem rezessiven Faktor für Langhaarigkeit könnte dieses Kaninchen auch den rezessiven Albinofaktor enthalten haben, was darauf schließen lässt, dass es sich um eine Kombinationszüchtung handelt. Danach müsste die Entstehung des Angorakaninchens noch weiter zurück liegen. England scheint zumindest das Geburtsland des weißen Langhaarkaninchens zu sein.
Ein weiterer Hinweis auf das Vorhandensein von Langhaarkaninchen in England ist ein im Jahre 1722 von Georg dem I. aufgehobener Ausfuhrzoll für viele Waren, mit ausdrücklicher Ausnahme von Kaninchenhaaren und wolle.
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Für Verwirrung hinsichtlich der Herkunft des Angorakaninchens sorgte der von WISCHER (1937) aufgefundene zeitgenössische Bericht von Gaston Premier aus dem Jahre 1723, wonach englische Seeleute 1723 im Hafen von Bordeaux Langhaarkaninchen aus dem Schwarzmeerraum für horrende Preise zum Verkauf angeboten hätten. BAUER (2004) vermutet, dass sie wegen des Exportverbotes aus England die Öffentlichkeit auf eine falsche Fährte lenken wollten. |
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Fest steht, dass sich danach der Name lapin d Angora in Frankreich einbürgerte. Im 13. Band der Histoire Naturelle 1758 beschreibt de Comte de Buffon das lapin dAngora. Auch im Universalwörterbuch zur Naturgeschichte von Valmont-Bomare von 1800 wird das lapin d Angora beschrieben (ROUGEOT und THEBAULT, 1985). |
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TEGTMEYER (1949) bezweifelt die Herkunft Angora auf Grund einer Mitteilung von Prof. Spöttel aus Halle, der von 1933-1939 als Hochschullehrer an der Universität Ankara wirkte und keinerlei Nachweise fand, dass das Angorakaninchen weder als Wild- noch als Haustier dort heimisch war. Die Bezeichnung Angorakaninchen erfolgte wohl eher in Analogie zum Charakter des Haarkleides der Angoraziege. |
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Die Abbildungen von Angorakaninchen aus dem 18. Jahrhundert lassen eindeutig erkennen, dass das damalige Angorakaninchen sich von Normalhaarkaninchen durch die Länge des leicht wellenförmigen Haares am Rumpf unterscheidet. Es fehlen aber die charakteristischen Haarbüschel der heutigen Angorakaninchen. Kopf und Ohren sowie der untere Teil der Extremitäten lassen deutlich einen fellartigen Charakter erkennen.
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Ende des 18. Jahrhunderts kamen Angorakaninchen auch nach Deutschland. In der deutschsprachigen Ausgabe des Buches von Pastor Mayer unter dem Titel Anweisung zur Angorischen oder Englischen Kaninchenzucht, herausgegeben von der Waltherschen Hofbuchhandlung in Dresden im Jahre 1789, berichtet Pastor Mayer, dass er 1777 von einem Herrn von Meyersbach ein Paar englische Seidenhasen, die dieser von London mitgebracht hatte, erworben hätte. Pastor Mayer lebte von 1773 bis 1827 in der Nähe von Kitzingen, das damals zu Preußen gehörte, und trug entscheidend zur Verbreitung des Angorakaninchens bei. |
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Durch ihn selbst seien sie schon nach Anspach, nach Wien, Prag, nach Sachsen, Schlesien, in das Hohenlohische, in das Anspachische und Bayreuthische, ja sogar nach Holland verpflanzt worden. Die Haltung erfolgte in Kaninchengärten oder in Ställen oder Scheunen. Die gegenseitigen Beißereien der Böcke wurden durch deren Kastration eingeschränkt, wodurch gleichzeitig der Wollertrag stieg. Für die Wollgewinnung wurde von MAYER das Kämmen empfohlen. Das Körpergewicht der Angorakaninchen soll in dieser Zeit 4-6 kg betragen haben. |
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Das Interesse an Angorakaninchen wuchs und die Hauptabordnung der Churfüstlichen Sächsischen Oekonomischen Gesellschaft veranlasste den Sekretär der Gesellschaft, Kommissionsrat Riem, Versuche zur Kreuzung von Seidenkaninchen-Männchen in den Jahren 1790-1792 durchzuführen (WISCHER, 1937). Die Ergebnisse wurden 1792 in Ergänzung zum MAYERschen Buch ebenfalls von der Waltherschen Hofbuchhandlung in Dresden veröffentlicht. |
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Hierin heißt es:Von einem angorischen männlichen Seidenkaninchen, das weißer Farbe war, und einem weiblichen hierländischen Kaninchen, das eine ins Blaue fallende Farbe hatte, erhielt ich, nachdem beide auf die obgedachte Art zusammengesetzt wurden, am 6. März vier, am 4. April sechs, am 4. Mai acht, am 3. Juni acht, am 18. Julius fünf und am 20. Dezember fünf, zusammen sechsunddreißig Junge. |
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Zwei Drittel der Nachkommen waren langhaarig und ein Drittel hatte kürzere aber sehr feine Haare. Letztere wurden erneut mit angorischen Männchen begattet und lieferten immer langhaarige Nachkommen. Weiterhin erfahren wir, dass man die Angorawolle mit einem Drittel Schaf- oder Baumwolle mischt. 20 Ellen Tuch seien verfertigt worden. Im Erzgebirge und im Vogtland seien ansehnliche Seidenkaninchen-Anlagen entstanden. |
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In Preußen wurde der Kriegs- und Domänenrat Sombart mit der Aufgabe betraut, Wert und Möglichkeit der Seidenhasenzucht festzustellen. Sombart gab ein Buch heraus, in dem das komplette Mayersche Buch und außerdem Erfahrungsberichte von Züchtern enthalten waren. In der Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg ging es darum, möglichst billig Produkte herzustellen. |
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Das Angorakaninchen, das weitgehend mit billigen Futtermitteln, wie Garten - und Küchenabfälle, ernährt werden konnte, schien gut geeignet zu sein für die billige Erzeugung von Wollhaaren. Im Herzogtum Magdeburg wurde für das Jahr 1792 eine Prämie von 16Groschen für das Pfund denen, die davon 5 Pfund und darüber durch eigene Zucht gewinnen, kostenfrei versichert. |
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Ein Kaufmann aus Calbe an der Elbe hat 1792 an den König von Preußen einen Hut geschickt, den er aus selbst gewonnenem angorischem Kaninchen- oder Seidenhaaren hatte machen lassen. JOPPICH (1946) zitiert eine Schrift von Rektor und Pfarrer Bährens aus Schwerte, Westfalen, aus dem Jahre 1796, wonach zu dieser Zeit Angorazucht zur Wollgewinnung betrieben wurde. Die Jahreswollleistung je Tier in dieser Zeit wird auf 180-250 g geschätzt. |
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eMail: Ulr.Bauer@angora.de |
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