Geschichte und Entwicklung der Angorazucht und Wollleistungsprüfungen

Von Dr Manfred Golze, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

Teil 10:

Haarstruktur und Verwendung der Angorawolle (20_400)

Ausführungen zur Haarstruktur der Langhaarkaninchen wurden in hervorragender Weise von Bauer (2002) vorgenommen. Die Angorawolle besteht aus drei Haararten. Einmal den Grannenhaaren, des Weiteren der Vlieswolle bzw. den Flaumhaaren sowie den Grannenflaum/Vlieshaar. Wichtig sind die Grannen- und Vlieshaare.

Die Grannenhaare sind mehr oder weniger die Stützen für das Vlies und die Flaumhaare. Angora mit viel Grannenhaare werden auch als „Haartier“ benannt, Angora mit wenig oder keine Grannenhaare nur mit Vlieshaare sind ein „Wattetier“ oder „Filzer“. Vlieshaare sind feine gekräuselte Wollhaare und Träger der positiven Eigenschaften der Angorawolle.

Durch Züchtung ist es möglich, die Anteile zwischen Grannen- und Vlieshaare bei der Population zu erzeugen und somit dem Wunsch der Verbraucher in den meisten Fällen der Verarbeitungsindustrie gerecht zu werden.

Die Verwendung der Angorawolle ist gegenwärtig natürlich nach wie vor durch Verkauf zur industriellen Verarbeitung und durch die Verarbeitung selbst möglich. Beim Verkauf zur industriellen Verarbeitung sind im Allgemeinen mindestens 10 kg an Wolle erforderlich und Kosten für Versand und mehr nicht unnötig hoch anteilig zu erhalten. Im Vorfeld ist über Sortier- und Ankaufsbedingungen zu informieren.

In der Regel wird von der Verarbeitungsindustrie kein Geld sondern Gutschrift und Warenrücklieferung erstattet. Erst durch Weiterverkauf sind die Einnahmen dann möglich. Die Möglichkeiten der Beteiligung am internationalen Wollhandel verlangen, dass in Kästen oder Säcken mindestens 100 kg je Sorte verpackt und gepresst werden. Einige Länder verlangen des Weiteren, dass die Ware Keimfrei und desinfiziert ist. Industriell wird aber in beiden Fällen zurzeit nur weiße Angorawolle verarbeitet.

Darüber hinaus ist eine Verarbeitung der Wolle selbst natürlich möglich. Dieses ist für Angorazüchter mit farbigen Tieren und farbiger Wolle nicht anders möglich. Wichtig ist es und günstig, wenn von ein und demselben Tier die Wolle verwendet wird. Neben dem Handspinnen von Angorawolle anschließenden schönen Strickarbeiten, die nach dem richtigen Waschen hervorragende feine flauschige Kleidungsstücke ergeben, ist natürlich das Filzen eine besondere und gut geeignete Verarbeitung dieses schönen Rohstoffes.


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