Geschichte und Entwicklung der Angorazucht und Wollleistungsprüfungen

Von Dr Manfred Golze, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

Teil 03:

Name und Aussehen des Angorakaninchen (20_330)

Natürlich haben die langen Haare den Namen für dieses Kaninchen gegeben. Für das langhaarige Tierfell wurde „Angora“ eingeführt. Dafür Pate und die Basis bildeten die langhaarigen Angoraziegen aus der Provinz Angora (Türkei), die Wegbereiter dafür waren. Heute haben wir als langhaarige Nutztiere neben der Angoraziege diesbezüglich das Angorameerschwein, die Angorakatze und das Angorakaninchen. Beachtenswert ist dabei, dass es sich um Fehlinterpretationen handelt, wenn das Angorakaninchen mit der Provinz Angora in Verbindung gebracht wird. Es ist dort nicht beheimatet. Man hat lediglich den Namen von dort entliehen.

Die Angorakaninchen gehören zu den mittelgroßen Rassen, die charakterisiert sind durch mittlere Gewichte von etwa 3,5 kg. Auch der Körperbau dieser Tiere soll walzenförmig sein, wie bei den meisten anderen Kaninchenrassen.

Die Beurteilung von Körpermerkmalen sind bei langem Fell sehr schwer durchführbar und eventuelle Fehler sehr schwer feststellbar. Züchter nutzten deshalb oftmals die Möglichkeit, diese Tiere nach der Schur zu beurteilen.

Angora in ihrem Ursprung haben farblose Augen, sind folglich Albinos und die Augenfarbe erscheint somit rot. Heute muss ergänzt werden, dass es auch schon Angora mit weißen und besonders auch blauen Augen gibt.

In Deutschland werden im Prinzip zu kleine als auch zu große Angorakaninchen laut Zuchtrichtlinie abgelehnt. Zu kleine Tiere haben natürlich zu wenig Fläche sowie zu wenig Wolle und die sehr großen Tiere sollen nachweislich eine schlechte Futterverwertung aufweisen.

Auf der Welt gibt es verschiedene Typen von Angora, wobei im Wesentlichen zwischen den englischen Herkünften, die leichter sind und besonders feine Wolle haben, diese natürlich auch schneller verfilzt, und den größeren Typen, wie sie in China gehalten und gezüchtet werden mit höherer Leistung und etwas grannenreicheren Wolle, zu unterscheiden ist.

Eine sehr schöne Untergliederung und Charakteristik der vorhandenen Langhaarkaninchenrassen wurde von Bauer (2002) vorgenommen. Danach können wir 4 Angorarassen auf der Welt unterscheiden, die geschoren werden und des Weiteren 2 Langhaarkaninchenrassen, welche ihr Haarkleid im Frühjahr wechseln und nicht geschoren werden. Zu den letzten gehören die Fuchskaninchen und die Rasse Jamora. Die 4 Angorarassen sind das Französische Angora, das Deutsche Angora, das Thanhang Angora (hauptsächlich in China gezüchtet) und das Satin Angora.

Das Französische Angorakaninchen hat eine ausgesprochene grannenreiche Wolle. Dadurch wird der Verfilzung im starken Maße vorgebeugt. Nach 4 Monaten etwa erfolgt der Wollwechsel. Diese Tiere stoßen ihre Wolle von selbst ab. Die Schur ist natürlich möglich und wird durchgeführt, und man erreicht eine Wolllänge von 4 – 16 cm.

Genutzt wird diese Wolle für besonders effektvolle langhaarige flauschige Jacken. Für die industrielle Verarbeitung werden von diesen nur Albinos (weiße Wolle) genutzt und die Wolle muss dafür natürlich sortiert werden.

Die Zuchtgebiete des Französischen Angora sind in erster Linie Frankreich, die ehemaligen Kolonien Frankreichs in Übersee sowie die Schweiz.

Das Deutsche Angora ist ein auf Wollleistung gezüchtetes Langhaarkaninchen mit einem sehr feines Vlies. Eine viermalige Schur im Jahr ist nötig. Dabei sind die Schurtermine terminorientiert pünktlich einzuhalten.

Die Wolle ist besonders für Thermowäsche, Gesundheitswäsche geeignet. Es lassen sich aber auch feine Strickstoffe daraus herstellen.

Sie sind aus früheren englischen Angora gezüchtet worden. Heute werden bereits von Spitzentieren 2 kg Wolle im Jahr erzielt. Für die industrielle Verarbeitung ist ebenfalls eine Sortierung der Wolle erforderlich.

Das Thanhang Angorakaninchen ist eine chinesische Weiterzüchtung der Deutschen Angora. In den Jahren 1960 – 1970 wurden allein 30.000 – 40.000 Zuchtkaninchen von Deutschland nach China exportiert. Die durch Einkreuzung in die vorhandenen Rasse entstandenen Thanhang Angora ist größer als das Deutsche Angora. Es wurden bewusst schwerere Rassen mit grannenreicherem Haar hier erzüchtet. Dabei hat man sich besonders den Wünschen der derzeitigen Textilindustrie gestellt. Die Ergebnisse der Produktion sind faszinierend. Etwa 95 % der weltweit verbreiteten Wolle stammt von Tieren aus China.

Abschließend noch einige Ausführungen zu einem Spezialisten der Angora, dem Satin Angora.

Es handelt sich um ein Kreuzungsprodukt von Satin Kaninchen (Normalhaarige) und Französischem Angora. Nach Ansicht vieler Experten ist das eine besonders schöne Zuchtrichtung der Angora, die heute in einigen Ländern bereits als Rasse anerkannt wurde.

Die Wolle glänzt mit mattem Schimmer. Da es sich in der Regel nicht um weiße Tiere handelt, sondern um farbige, ist sie in der industriellen Verarbeitung noch nicht in Erscheinung getreten. Die Züchter verspinnen diese Wolle im Allgemeinen selbst.


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