Geschichte und Entwicklung der Angorazucht und Wollleistungsprüfungen

Von Dr Manfred Golze, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

Teil 02:

Entwicklung der Kaninchenzucht sowie der Angora 20_320

Die gezähmten Kaninchen kamen in erster Linie von Frankreich und Belgien nach Deutschland. Die romanischen Länder schätzten das Kaninchen wegen des Fleisches wesentlich mehr, hingegen in Deutschland wurden in den Ställen lieber andere Haustiere gehalten.

Auch heute noch ist der Kaninchenfleischverbrauch vielleicht bei 700 g. Er wird nicht einmal direkt ausgewiesen und unter Geflügel mit verzeichnet. Hingegen in Frankreich und Italien werden 3 – 5 kg Kaninchenfleisch verzehrt.

Die ersten Zuchterfolge in Frankreich wurden 1760 verzeichnet und es handelte sich um das „Seidenkaninchen“ (Angorakaninchen). Damit ist ersichtlich, dass die langhaarigen Kaninchen, Angoras, eine, wenn nicht sogar die älteste Rasse der Kaninchenzucht darstellen. Denn erst danach wurde in den Klöstern das hängeohrige französische Widderkaninchen als nächste Rasse gezüchtet. In Deutschland fand man erst um 1870 den großen Nutzwert auch der Kaninchen heraus.

Eigentlich hatten im Deutsch-Französischen Krieg die deutschen Soldaten die Kaninchenhaltung gelernt. Sie versuchten nach der Rückkehr nach französischem Muster die Zucht aufzubauen und somit auch in Deutschland die Kaninchen langsam zu etablieren.

Laut Literatur wurde 1874 in Bremen eine erste Kaninchenausstellung und damit Interesse für diese Tierart geweckt. Der allererste Verein der Kaninchenzucht wurde am 12. April 1880 in Chemnitz/Sachsen gegründet.

Die erste Schau, die dieser Verein abhielt, fand 1885 statt. Auf dieser wurden 5 Rassen ausgestellt. Es handelte sich um die Belgischen Riesen, die Französischen Widder sowie Angora, Silber- und Russenkaninchen.

Julius Lohr hatte zu diesem Zweck die ersten Musterbeschreibungen für diese Rassen ausgearbeitet. Er gilt auch heute noch als 1. Deutscher Zucht- oder Preisrichter für Kaninchen.

Wie erwähnt, ist das Angorakaninchen eine der Ältesten wenn nicht sogar die älteste Rasse unserer Kaninchen. Es stammt also gleichfalls vom Wildkaninchen ab.

In Folge von Mutation ist der Langhaarfaktor bei Angora- und Fuchskaninchen als rezessives Merkmal homozygot vorhanden. Alle Kaninchenhalter wissen, dass auch heute noch fast bei allen Rassen hier und da langhaarige Tiere anfallen. Das heißt, diese Merkmale auftreten. Des anderen ist es auch möglich, dass bei der Rassebildung der Ahnen dieser Angora Verwendung gefunden haben.

Es sei eingeflochten, dass ein weiterer Mutant bezüglich Fellausbildung durch das Kurzhaar der Rexkaninchen gegeben ist.

Der Langhaarfaktor kommt auch beim Wildkaninchen vor. In der Sammlung der Forsthochschule Eberswalde ist ein graues Wildkaninchen zu besichtigen, welches ein langes Haar besitzt, dass im Oktober 1888 vom Forstassessor A. Schmidt in freier Wildbahn geschossen wurde.

Hier in der Wildbahn überleben jedoch die langhaarigen Tiere sehr schlecht. Durch Regen und Schmutz verfilzen die Felle sehr schnell. Sie sind nicht so beweglich und sind leichte Beute der Gegner und werden somit schnell selektiert.

Im Übrigen wird über eine erste Erscheinung eines langhaarigen Kaninchens berichtet in einer französischen Quelle. Danach wurden die „Seidenkaninchen“ von englischen Seefahrern 1723 aus Ländern am Schwarzen Meer nach Bordeaux mitgebracht (Nachtsheim, 1949).


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