Geschichte und Entwicklung der Angorazucht und Wollleistungsprüfungen

Von Dr Manfred Golze, Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

Teil 01:

Ursprung und Geschichte der Hauskaninchen sowie Angora (20_310)

Hauskaninchen sind eindeutig Abkömmlinge der Wildkaninchen. Sie gehören zur Familie der Hasen (Leporidae). Diese Familie gliedert sich in die Gattungen Lepus (Feldhase) und Ocutalagus (Kaninchen). Wenn der Hase und das Kaninchen auch zu einer Familie gehören, so haben sie doch viele Unterschiede. Deshalb sind sie jeweils eine eigene Gattung.

Die Unterschiede zwischen Hase und Kaninchen bestehen im Wesentlichen in der Fortpflanzung. Haben Hasen zu 5 mal 3 bis maximal 5 Junge, die in einer Sasse bereits vollkommen mit Fell und ausgebildet gesetzt werden, so bringen Kaninchen 5 bis 10 Junge und das 8 – 10 mal in Erdbaus zur Welt, die nackt sowie blind und erst mit der 3. Woche selbständig sind. Die Lebensweise als auch die Anatomie und der Körperbau unterscheiden sich also wesentlich.

Es wurde in der Geschichte immer wieder von der Verpaarung zwischen Hase und Kaninchen geschrieben, welche jedoch aus wissenschaftlichen Gründen abzulehnen sowie nicht möglich sind und niemals nachgewiesen wurde.

Des Weiteren gehört das Kaninchen zur Ordnung der Hasentiere, die von der Klasse der Säugetiere umfasst und in den Stamm der Wirbeltiere eingeordnet wird, und werden darüber hinaus den Nagetieren oftmals zugeordnet.

Dank der schnellen Fortpflanzung hat sich das Wildkaninchen schnell über Süd- und Mitteleuropa verbreitet. Als Heimat der Wildkaninchen ist das süd-westliche Europa, die Iberische Halbinsel, anzusehen. Sehr wahrscheinlich trafen Seefahrer, in diesem Fall Phönizier, es dort an. Es erinnerte die Ankömmlinge an die in ihrer Heimat Syrien vorhandenen Klippschiefer. Die Klippschiefer, die auch die kleinsten Huftiere darstellen. Die Seefahrer nannten das Land nach den Klippschiefern „Hispania“.

In der Literatur wurde lange die Meinung vertreten, dass das Kaninchen schon im Altertum bekannt war. Grundlage dafür ist ein Irrtum in der Übersetzung von Martin Luther. Auf die Bibel, das Alte Testament sich berufend, wurde in Luthers Übersetzung das Kaninchen erwähnt. Im 14. Kapitel des 5. Buches Moses, in dem alle Tiere aufgeführt werden, dessen Fleisch zu essen dem Volke Israel verboten.

Ein Tier, welches hebräisch „saphan“ heißt, wurde von Luther als Kaninchen übersetzt. Es war aber der Klippschiefer, der mit saphan gemeint und im Orient oft vorkommt.

Das in Spanien beheimatete Wildkaninchen wurde durch Händler und auf Kriegszügen bekannt und mit in die Heimat genommen. Der graue Wildling, der etwa im 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in der Heimat in Gehegen gepflegt und auch ausgesetzt wurde. Er pflanzte sich besonders in der Freiheit schnell fort und wurde teilweise auch als Schädling betrachtet. Trotz dessen gab es erfreulicherweise immer Freunde wegen des Fleisches und auch der Jagd.

Im Mittelalter wurden Kaninchen vor allem in Klöstern und Fürstenhäusern nach Mustern, der bereits im Alten Rom bekannten „Hasengärten“ in Gefangenschaft für die Tafel gehalten und groß gezogen.

Die Verbreitung ging weiter, so dass zum Beispiel im Jahre 1407 eine Insel im Schweriner See für die Jagd von Kaninchen ausgerichtet wurde, dort Tiere angesiedelt wurden und diese Insel heute noch den Namen „Hasenwerder“ trägt.

Es kann geschlussfolgert werden, je enger der Raum auf dem die Kaninchen gehalten, umso mehr Scheu werde von diesen abgebaut. Besonderer Verdienst besteht von französischen Klöstern, die Kaninchen in ummauerten Höfen und Schuppen hielten und danach eine Zähmung und anschließende Domestikation stattfand.

Dieser Prozess dauerte beim Kaninchen nachweislich sehr lange, da die Haltung auch über einen großen Zeitraum in halbwilder Form stattfand. Erst in Ställen gehaltene Kaninchen wurden zutraulicher. Sie verloren dann auch ihre graue Schutzfarbe und es setzten sich Blaue und zum Teil auch Schecken durch. Durch veränderte Ernährung und Haltung wurden die Kaninchen größer und schwerer. Diese Entwicklung ist in der Regel in der Domestikation vom Wild zum Haustier oft zu verzeichnen.


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