Autor: Ulrich Bauer sen. D-73751 Ostfildern

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2. Angora Kaninchen > Geschichte der Angora Kaninchen Zucht,

Angora-Kaninchen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts 1950 - 1999

Die wirtschaftliche Situation der Angora Kaninchen Züchter 1950

Die Nachkriegszeit normalisierte sich wieder. Angora Produkte wurden gesucht und gekauft. Es gab zwölf Betriebe, die Angora Produkte fertigten. Davon verkauften 5 Betriebe über Direkt Vertreter direkt an die Verbraucher. Die restliche Betriebe bedienten den Fachhandel: Sanitäts- und Wäschegeschäfte, sowie Reformhäuser und Drogerien.

Die Angora Kaninchen Zucht war weit verbreitet. Es gab viele kleine Angora Züchter ( 5 – 50 Tiere), die ihre Angora Rohwolle an 8 – 10 Annahme/Ankauf- Stellen anliefern konnten.

Die Sortiervorschriften wurden größtenteils einheitlich gehandhabt, jedoch die Preise und die Rücklieferung von Produkten waren sehr unterschiedlich.

Der Angora Züchter musste sich Angebote von verschiedenen Ankaufstellen einholen.

Unter den Ankaufstellen gab es auch zwei Genossenschaften der Angora Züchter je eine in Ludwigsburg und Nürnberg.

 

Die Landesversuchsanstalten hatten ihre Prüfungen wieder aufgenommen. Angora Züchter, die Ihre Angora Kaninchen auf diese Versuchsanstalten prüfen ließen, haben und hatten bei gutem abschneiden sehr gute Verkaufsmöglichkeiten für ihre Jungtiere.

 

Wie schon im vorhergegangenen Zeitabschnitt erwähnt wurden die Angora Leistungs Prüfungen, kurz "ALP" genannt, im Jahr 1935 erstmals in Kiel-Steenbeek und am Tierzuchtinstitut der Universität Halle durchgeführt.

Weitere Länder stellten Leistungsprüfungen zur Verfügung. Die Berichte der ALP Stationen wurden im Deutschen Kleintierzüchter veröffentlicht.

Am meisten Unterlagen sind von der Hessischen Leistungsprüfung Neu Ulrichstein unter der Leitung von Dr. Schlolaut bekannt geworden.

In seinem Buch "Das große Buch vom Kaninchen", das 1995 im DLG-Verlag Frankfurt am Main, wird diese Arbeit ausführlich vorgestellt.

 

Deutschland war jetzt weltweit führend in der Zucht der Angora Kaninchen. Andere Länder interessierten sich für das in Deutschland vorhandene Angora Zuchtmaterial. Angora Zuchttiere wurden von Deutschland in alle Kontinente exportiert.

Vor allem China bezog 30 000 Angora Zucht Kaninchen aus Deutschland. Nach 1950 gingen ganze Flugzeugladungen mit Angora Kaninchen von Frankfurt ab. Viele Angora Züchter verdienten damals sehr gut am Verkauf der Angora Zuchttiere.

Der Aufbau der Angora Zuchten in China wurde noch von der Deutschen Entwicklungshilfe unterstützt.

 

Und der Bumerang kam zurück. China lieferte Angora Rohwolle auf den Weltmarkt und die Preise für Angora Rohwolle gingen in den Keller. Das Züchten von Angora Kaninchen wurde immer uninteressanter. Viele Angora Züchter gaben ihre Angora Zucht auf.

 

Bis, ja bis etwas unerwartetes einsetzte.


Ab 1980 begannen die Angora Rohwollpreise in schwindelnde Höhen zu steigen.

Wurden 1982 schon mehr als DM 80.- für ein Kilogram Angora Rohwolle in der ersten Klasse bezahlt, so stiegen die Preise in den folgenden Jahren weiter an.

1984 DM 95.-

1985 DM 140.--!


Was war geschehen:

Verschiedene Ursachen kamen zusammen:


-Angora Handarbeitsgarn war große Mode geworden. Die Frauen kauften Angora Handstrickwolle in Mengen!

-Angora Strickwaren wie Pullover, Jacken und Westen waren gefragt und wurden von den Damen gesucht.


Dies wirkt sich bei so einem kleinen Markt, wie der Angora Rohwoll Markt ist, preistreibend aus.


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Zu allem kam aber noch ein inneres Ereignis in China.

China hatte es zwischenzeitlich auf ca. 30 Millionen Angora Kaninchen gebracht. 95% des Weltbedarfs an Angora Rohwolle kam somit aus China.

Bisher wurde die Angora Rohwolle von einer staatlichen Stelle angekauft.

Jetzt wurde der Angora Rohwoll Ankauf in China liberalisiert. Jeder Betrieb konnte seine Angora Rohwolle an den Meistbietenden verkaufen.

 


(Klick) zum vergrößern!

Aus DKZ vom 24.5.85.

10 ! Ankaufstellen bieten ihre Preise an.

Dies führte dazu, dass in China zuerst einmal die Zuchtbetriebe ihre Angora Rohwolle zurückhielten und abwarteten bis die Privaten Käufer kamen und höhere Rohwollpreise anboten.

Dadurch konnte die staatliche Organisation ihre eingegangenen Liefer Kontrakte nicht mehr erfüllen. Die Angora Rohwolle fehlte auf dem Weltmarkt.

 

Kaninchen sind das Symbol für Fruchtbarkeit (Ostern) und können sich sehr rasch vermehren.

Alles stürzte sich auf die Zucht der Angora Kaninchen. Zwischenzeitlich hatte sich auch der Handel in China wieder eingespielt und es wurden riesige Mengen von Angora Rohwolle auf dem Weltmarkt angeboten.

Der Preis für 1 kg Angora Rohwolle der Sorte 1 fiel auf unter DM 30.-.

China ist nach wie vor der größte Angora Rohwoll Lieferant auf dem Weltmarkt!

 

Die Chinesen sind sehr fleißige und kluge Menschen. Sie kreuzten die importierten Angora Kaninchen ein und züchteten eine eigene Art von Angora Kaninchen: Das "Tanhang Angora".

Dies ist ein größeres Angora Kaninchen als die Deutschen Angora Kaninchen. Es wiegt 4 – 5 kg und hat eine Grannen reichere Angora Wolle als das Deutsche Angora Kaninchen.

Von der verarbeitenden Industrie wird diese "Chinesische Angora Wolle" gerner eingesetzt, da sie besser zu verarbeiten ist und einen schöneren Flauschausfall bei der Fertigware ergibt.


 


Eingangstafel an einer Angora Kaninchen Farm mit 5000 Tieren in China

Entwicklung der Erträge beim Angora Kaninchen

Nachfolgend mache ich den Versuch auf möglichst einfache Art und Weise, die durch Zuchtauswahl und Fütterung beim Angora Kaninchen erreichten Steigerungen der Angora Woll Produktion über mehr als 200 Jahre, aufzulisten.

Die Schur Ergebnisse von Rammlern und Häsinnen weichen dabei voneinander sehr stark ab. Eine gute ausgewachsene Angora Häsin produziert wesentlich mehr und schönere Angora Wolle als ein Rammler. Wird jedoch der Rammler kastriert, so kann die dann erreichte Wollmenge und Qualität die einer Häsin noch übersteigen.

 

 

Jahr

Jahres Wollertrag pro Tier

Quelle

1790

180g bis 250g

Pastor Mayer Obernbreit: Anleitung zur Angorischen und Englischen Kaninchenzucht.

 

1920

150g bis 250g

Alfred Russe Wien: Rassebeschreibung der Kaninchenzucht

 

1935

260g bis 510g

1. Station Prüfung am Tierzucht Institut der Universität Halle. Beginn der ALP Prüfungen

 

1959

470g bis 910g

Dr. Schlolaut Station Prüfung an der Hessischen Landesanstalt für Tierzucht, Neu Ulrichstein. (ALP)

 

1964

520g bis 1050g

Dr. Schlolaut Station Prüfung an der Hessischen Landesanstalt für Tierzucht, Neu Ulrichstein. (ALP)

 

1969

630g bis 1409g

Dr. Schlolaut Station Prüfung an der Hessischen Landesanstalt für Tierzucht, Neu Ulrichstein. (ALP)

 

1974

520g bis 1480g

Dr. Schlolaut Station Prüfung an der Hessischen Landesanstalt für Tierzucht, Neu Ulrichstein. (ALP)

 

1979

650g bis 1450g

Dr. Schlolaut Station Prüfung an der Hessischen Landesanstalt für Tierzucht, Neu Ulrichstein. (ALP)

 

1984

710 bis 1660g

Dr. Schlolaut Station Prüfung an der Hessischen Landesanstalt für Tierzucht, Neu Ulrichstein. (ALP)

 

1989

650g bis 2036g

Dr. Schlolaut Station Prüfung an der Hessischen Landesanstalt für Tierzucht, Neu Ulrichstein. (ALP)

 

1993

920 bis 2008g

Dr. Schlolaut Station Prüfung an der Hessischen Landesanstalt für Tierzucht, Neu Ulrichstein. (ALP)

 

1996

1000g bis 2266g

Bericht der Landesanstalt für Tierzucht Kaiserslautern/Neumühle im DKZ Reutlingen

 

Dr. Schlolaut gibt in seinem Buch: "Das große Buch vom Kaninchen" noch folgende Erläuterung zu dieser Tabelle.

"Die sprunghafte Erhöhung des Wollertrages im Jahre 1969, im Vergleich zu den vorherigen Leistungen, ist vor allem auf den Einsatz eines pelletierten Alleinfutters zurückzuführen. Hiervon profitierten die besser veranlagten Häsinnen in stärkerem Maße als die Rammler".

 

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