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2. Angora Kaninchen > Geschichte der Angora Kaninchen Zucht, |
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Angora Kaninchen in Mitteleuropa im späten 18. Jahrhundert |
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Langhaar Faktoren bei Kaninchen sind eine Mutations Erscheinung die ständig in der Zucht vorkommt und von alters her bekannt gewesen sein muss. Beim Züchten von Normalhaar Kaninchen hat es schon immer auch langhaarige Kaninchen im Wurf gegeben.
Deshalb ist es sicher, dass auch in deutschen Kaninchenställen langhaarige Kaninchen schon lange ihre Wolle verloren hatten. Fast jede Frau im Landvolk konnte damals mit dem Spinnrad umgehen und spinnen. Sicher hat auch damals die eine oder andere Frau die Wolle gesammelt, vom Tier abgekämmt oder abgepflückt und versponnen.
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Langhaarige Tiere sind auch von anderen Haustieren bekannt. Hunde, Katzen, Ziegen gab und gibt es mit langen Haaren. Dabei stammt nachweislich die langhaarige Ziege aus dem vorderen Orient aus der Gegend von Ankara. Der frühere Name von Ankara ist jedoch Angora! (Daher: "Angora Ziege"). Erst im 19. Jahrhundert wurden in den Tierbeschreibungen von Brehm und anderen, der Begriff Angora auf alle langhaarigen Tiere ausgedehnt. (Alte Deutsche Bezeichnungen waren: Seidenkaninchen, Englische Kaninchen oder Dänische Kaninchen)
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Hierzu siehe auch: Geschichte der Verarbeitung von Angora Rohwolle (50_400) |
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Fundierte erste Unterlagen über das Angora Kaninchen finden sich in der Schrift von D. Künitz Mitte des 18. Jahrhunderts: "Allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirtschaft". Als besondere Art erwähnt er hierin das Angora Kaninchen: "Das angorische Kaninchen unterscheidet sich von anderen zahmen Kaninchen durch seine längeren Haare, wie die angorischen von den gemeinen Ziegen. Ihr Haar ist wellenförmig, und oft so kraus wie Wolle. In der Zeit, wenn sie haaren, wirret sich diese Wolle, und formiert sehr entstellende Klumpen. Sie sind wie ein Filz ineinander gewebt oder gedrückt."
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Comte de Buffon in Frankreich beschreibt in seiner 1754 erschienenen "Histoire Naturelle" sowohl das Wild- als auch das Hauskaninchen genauestens. Dabei beschreibt er eingehend das Angorakaninchen, dem er zwei Seiten seines Buches einräumt. Er erzählt von der wolligen Beschaffenheit des Angoravlieses und von dem "wie echte Schafwolle gekräuselten Wollhaar".
Zwei Kupferstiche sind dem Abschnitt "Angora" beigefügt. Der eine zeigt ein prächtiges, anscheinend weißes Angorakaninchen, das unseren heutigen Angorakaninchen sehr nahe kommt. Der andere Kupferstich stellt ein dunkleres Angorakaninchen "in der Haarung" dar. Diesem recht armselig aussehenden Tier hängten abgescheuerte Filzwülste herab, von denen einer, wie Buffon es selbst ausdrückt, wie ein fünftes Beis aussieht.
Er berichtet, dass er beim Sezieren dieses Tieres auf dessen Schenkeln eine Filzdecke von mehr als einem Zoll Dicke vorgefunden habe.
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aus "Histoire Naturell von Comte de Buffon 1754 |
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Die Angora Kaninchen Zucht beginnt! |
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Sicher ist uns überliefert, dass in Obernbreit bei Kitzingen am Main von 1773 bis 1827 der Pastor Friedrich Christian Sigmund Mayer tätig war.
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Vorab aber einige Worte zur politischen und wirtschaftlichen Lage damals in Preußen. Kitzingen am Main gehörte damals zu Preußen. Das Land Preußen war durch die Kriege Friedrichs des Großen verarmt. Man suchte Produkte, die sich möglichst billig herstellen ließen. Da kam das Angora Kaninchen gerade recht. Es ließ sich mit Küchenabfällen ernähren und lieferte Wolle, Fleisch und Leder.
Dazu kam noch, dass man sich in Preußen, in den vorhergehenden Jahrzehnten, mit der Seidenraupenzucht befasst hatte. ( Selbst jetzt im Jahr 2000 findet man in Preußen noch Hecken von Maulbeerbäumen.) Diese Seidenraupenzucht wurde von einer Seuche befallen, die bis 1788 dazu führte, dass die ganze Seidenraupenzucht ausgestorben war.
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Pastor Mayer kaufte 1777 von einem Herrn von Meyersbach ein einziges Paar von jungen "Seidenhasen", das dieser aus London mitgebracht hatte. Meyersbach hielt sich nur kurze Zeit, ca 2 Jahre in Franken auf. Bereits 7 Jahre später erschien von Pastor Mayer ein Buch über seine Erfahrungen. Es dürfte das 1.Buch über die Angora-Zucht in Deutschland sein.
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Da an den Höfen und in den
besseren Kreisen damals auch bei uns nur französisch
gesprochen wurde, erschien dieses Buch 1784 in französischer
Sprache. Erst 1789 folgte eine Ausgabe in deutscher Sprache unter
dem Titel: "Anleitung zur Angorischen und Englischen
Kaninchenzucht" in der Waltherschen Hofbuchhandlung in
Dresden. Das Buch von Pastor
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Er schildert darin, dass er vor ungefähr 12 Jahren (1777) das englische, seidenhaarige Kaninchen gekauft hat, dessen erstes Vaterland die "Insel Angora"? sein soll. Das gekaufte Zuchtpaar stammte aber aus England, wo die Zucht bereits sehr verbreitet war.
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Einige Themen aus seinem Buch:
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Man muss versuchen, sich in die damalige Zeit zurückzuversetzen. Mit allen Mitteln wollte damals der preußische Staat, seine Bevölkerung besser stellen. Zwar war der Siebenjährige Krieg schon seit über 10 Jahren vorbei, jedoch er hatte unsagbare Verwüstungen über das Land gebracht. Viele Menschen lebten damals unter dem Existenz Minimum wie wir heute sagen würden.
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Da war es ideal ein Kaninchen zu Züchten, das sich von Gras und Abfällen ernährte; eine gute, brauchbare Wolle für die Bekleidung lieferte und nachher noch einen guten Braten abgab.
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Pastor Mayer verweist schon darauf, dass die Tiere rechtzeitig von der Wolle befreit werden müssen, da Filzbildung zu Wachstumsstörungen, ja zum Tode führen kann. Drei Monate nach ihrer Geburt sollten die Angora-Kaninchen schon die Hälfte ihres Endgewichtes erreicht haben und müssen bereits das erste Mal von ihrer reifen Wolle befreit werden. Mit einem Jahr sind sie ausgewachsen und können drei- bis viermal ihrer Wolle beraubt werden. Bei Pfarrer Mayer folgt dann die Gewichtsangabe der gewonnenen Wolle, die bei pflegender Behandlung der Tiere einen Wollertrag von 6 - 8 Unzen = 180 bis 240 Gramm erreicht. Dies war der Wollertrag eines Angora- Kaninchens von 1790.
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Pastor Mayer schildert, wie er beim Auslösen von Filz Zuflucht zu einem Kamm nahm. Dabei entdeckte er, dass die reifen Angora-Haare sich leicht auskämmen lassen. Den groben Kamm benützte er zum beseitigen von Verfilzungen, den feinen zur Wollernte. Das soll jeden Monat geschehen, nicht vierteljährlich. Auch gibt er in seinem Buch bereits praktische Anhaltspunkte für die Zucht und Haltung der Tiere:
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Sie lassen sich im Sommer recht gut
mit dem ernähren, was Wiese und Kleefeld hergeben. Bei
Krankheit suchen sich die Tiere instinktiv Kräuter, die ihnen
helfen. Als Einstreu empfiehlt er Stroh und eine Generalreinigung der Ställe im Frühjahr und Herbst.
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Für die Nachzucht schlägt er Nistkästen mit Deckel vor, die es erlauben, die Hälfte zu öffnen. Als Maße empfiehlt er 65 x 33 x 33 cm. Da es damals kleinere Tiere waren, reichten diese Ställe völlig aus. Überschüssige Rammler sollten kastriert werden. Als Vorbild diente ihm die Pferde-, Kühe- und Schweinezucht. Auch er machte die Feststellung, dass ein Kastrat wesentlich mehr Wolle produziert, wobei er den Mehrertrag mit 2/3 tel angibt. Das wären immerhin 300 bis 400g Wolle in der Jahresleistung. Er rühmt auch die bessere Qualität der Wolle bei den Kastraten und das bessere Wachstum.
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Im Schlusswort wünschte Pastor Mayer, dass sein Buch, das die 12 jährige Erfahrung mit der Angora-Zucht beinhaltet, zur Weiterverbreitung der Angora-Kaninchen Zucht dient und seinen Landsleuten von Nutzen ist.
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Dieses erste Buch von Pastor Mayer
hat bestimmt viel zur Entwicklung der Angora-Kaninchen-Zucht
beigetragen. Es ist heute noch interessant zu Pastor Mayer verdient heute noch
unsere Hochachtung. Er hatte es so weit
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Wie wir aus einer Schrift von Riem
(1792) erfahren, wurde damals für ein paar "Seidenhasen"
der Betrag von 1 bis 5 Taler bezahlt. Für damalige
Verhältnisse und für die kleinen Leute von damals ein
stolzer Betrag.
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Ein Auszug aus den Pressmitteilungen von damals: |
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"Ein Königlich Preußisches hochpreißliches General-, Ober-, Finanz-, Kriegs- und Dmänen Direktorium hat zur Vermehrung der angorischen oder englischen Kaninche, so im Herzogtum Magdeburg auch unter dem Namen der Seidenhasen bekannt sind, wegen ihrer den Manufakturen so nützlichen Haare, für das Jahr 1792 eine Prämie von 16 Groschen für das Pfund denen, die davon 5 Pfund oder darüber durch eigene Zucht gewinnen werden, kostenfrei versichern lassen, und die Königliche Provinzial-, Kriegs- und Domänenkammer instruiert diejenigen, die wegen Ankaufs und der Behandlungart dieser Unterricht zu haben begehrten, an die Magdeburger Kriegs- und Domänenkammer zu verweisen. Die treibende Kraft dieser ersten Förderung seitens staatlicher Stellen war der Königlich Preußische Kriegs- und Domänenrat Sombart.
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Kriegs- und Domänenrat Sombart war damit betraut worden, Wert und Möglichkeiten der "Seidenhasenzucht" festzustellen. Er gab 1792 das Buch heraus, mit dem Titel: "Nachrichten und Behandlungsart der angorischen Kaninchen für die Einwohner der königlich Preußischen Staaten". Es enthielt einen Abdruck der Mayerischen Schrift im Originalwortlaut. Ferner ein entsprechendes Vorwort sowie Berichte über die Zuchterfahrungen verschiedener Züchter.
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Über 300 Angora-Züchter waren darin aufgeführt, bei denen man Zuchttiere erwerben konnte. Auch der Rittmeister von Sydow berichtete über seine Erfahrungen, die er in seiner Zuchtanlage auf seinem Gut Roßdorf bei Wittenberge mit Angora-Kaninchen gemacht hat. Die Aufmerksamkeit für die Angora Kaninchen Zucht wurde so allgemein, dass führende Zeitungen, wie der allgemeine Anzeiger für Deutschland und die Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen Veröffentlichungen über die Zucht brachten.
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Ein Pastor Bährens in
Westfahlen machte (1796) Vergleiche zwischen der Viehzucht und der
Angora-Kaninchen Zucht in der Rentabilität. Dabei legte er seiner Rentabilitätsberechnung einen Jahres Wollertrag der Angora Kaninchen von 160 g! zugrunde.
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