|
2. Angora Kaninchen > Geschichte der Angora Kaninchen Zucht, |
Geschichte der Kaninchen allgemein |
|
Angora Kaninchen sind außergewöhnliche Kaninchen. Schon ihr langes Haarkleid hebt sie von den Normalhaar Kaninchen ab. Dabei ist ein langes Haarkleid im Tierreich gar nichts außergewöhnliches. Es kommt bei vielen Tierarten vor. Vor allem bei Tierarten, die für den Hausgebrauch domestiziert wurden. Langhaartiere haben wir bei Katzen, Hunden und Meerschweinchen, aber auch bei Rindern, Ziegen und Kamelen. Dass sich diese Langhaartiere erst bei den Haustieren herausgestellt haben, hat einen einfachen Grund. In der Wildnis wird ein Langhaar Tier durch die Verfilzung an der Flucht gehindert und kann Raubtieren nicht so leicht entkommen. Trotzdem gibt es einzelne Berichte über lebende Langhaarkaninchen in der Wildnis.
|
|
So schreibt Urtel/Österreich in seinen Ausführungen: In der Sammlung der Forst Hochschule Eberswalde gab es bis 1945 zwei ausgestopfte Wildkaninchen zu sehen, die beide in Oberschlesien erlegt wurden. Das Erste hatte 4,5 cm lange Haare und wurde am 13.10.1888 von Forst Assessor Schmidt bei Ratibor erlegt Das andere hatte 6 cm lange Haare. Es wurde von Revierförster Tobschall bei Himmelwitz am 11.9.1908 geschossen. Himmelwitz liegt rund 50 km Luftlinie von Ratibor entfernt. Beide Tiere waren wild farbig. Da die Tiere aber von den langen Haaren in der Natur behindert werden, haben wildlebende Langhaar Tiere recht wenig Überlebenschancen.
|
|
Angora-Kaninchen sind ein Zweig der großen Kaninchenfamilie. Eine Laune der Natur (Mutation) hat dem Angora-Kaninchen ein langes Haarkleid geschenkt. Ursprünglich gabt es Angora Kaninchen in allen Farben. Bewusst wurden jedoch die weißen, richtiger farblosen, Albino Angora Kaninchen weiter gezüchtet. (Erkennbar an den roten Augen. Da die Farbpigmente fehlen sieht man das Blut im Auge).
Der Mensch hat das Haarkleid durch Zuchtauslese verdichtet und so ist unser heutiges farbloses Angora- Kaninchen. entstanden.
|
|
|---|---|
|
Zur Ergänzung sei bemerkt: Es gibt auch das "leuzistische" blauäugige Angora Kaninchen (wie bei den Weißen Wienern Blauauge). Die Meinungen, welches das bessere, weiße Angora Kaninchen ist gehen auseinander.
|
Wie Kühe regelmäßig und pünktlich gemolken werden, muss auch unser Angora-Kaninchen regelmäßig, 1/4tel jährlich geschoren werden. Dies ist lebensnotwendig für die Tiere! |
|
|
|
Betrachten wir zuerst allgemein die Kaninchen:Die Urheimat aller Kaninchen dürfte die "Iberische
Halbinsel" sein. Hier, vor allem in Südspanien, müssen
schon einige tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung
Wild-Kaninchen gelebt haben. Übereinstimmend berichtet die Literatur der beiden Völker von dem massenweisen Auftreten der Kaninchen in Spanien. Den Römern begegneten die Kaninchen zunächst als Schädlinge! Einer der ältesten Erdbeschreiber, der Römer Plinius, berichtet von den Verheerungen, die Kaninchen auf den Mittelmeerinseln Mallorca und Minorka zu Beginn unserer Zeitrechnung angerichtet haben. Die Römer kannten aber auch den Nutzen der Kaninchen. Das wohlschmeckende Fleisch dieses Pflanzenfressers wurde von ihnen nicht zu Unrecht in der Absicht verzehrt, dadurch gesundes Blut und reine Hau zu erhalten. Bei den Römerinnen galt der Genuss des Kaninchen Fleisches als Mittel der Schönheitspflege und Erhaltung jugendlichen Aussehens.
|
|
|---|---|
|
Schriftliche Nachweise finden wir bei den Römern ca 100 vor Christus über die "Gehegezucht" der Kaninchen. Gehegezucht oder Kaninchengärten wurden dann im Altertum und im frühen Mittelalter über Frankreich, England und Deutschland ausgedehnt. Erste Versuche einer eigentlichen Domestikation (zu Haustiere zu züchten) soll zwischen dem 6.und 10 Jahrhundert nach Christus in den französischen Klöstern vorgenommen worden sein. Bei der Gehegehaltung kann man sich vorstellen, dass es immer wieder zu Ausbrüchen der gezähmten Kaninchen kam. Diese ausgebrochenen Kaninchen kreuzten sich dann wieder mit den Wildkaninchen zurück. Bekannt ist die Einrichtung des
"Kaninchenwerder" im Schweriner See im 15. Jahrhundert.
Hier machte man sich die natürliche Wasser Abgrenzung einer
Insel zu nutze.
|
|
|
König Heinrich IV von Frankreich hatte im 16. Jahrhundert ein großes Kaninchengehege bei Paris. In der "Geschichte der englischen Handelsschaft" schreibt Taube 1776: "Auf allen Ländern in England trifft man einen mit Mauern umgebenen Thiergarten an, in welchem Kaninchen gehalten und so gut verwahrt werden, dass sie nicht herauskommen und Schaden anrichten können. Ein solcher Kaninchengarten ist gemeiniglich verpachtet; und in einigen Grafschaften macht dieses Pachtgeld einen guten Theil von den Einkünften der Landgüter aus" Im Mittelalter wurden an den Herrscherhöfen in Deutschland, Frankreich und in vielen anderen Ländern Kaninchen in Gehegen für die Jagd gehalten. Im Gehege konnten die harmlosen Kaninchen abgeschossen werden.
|
|
|---|---|
|
In Deutschland wird die
Stallhaltung von Kaninchen erstmals im 16. Jahrhundert durch die
Deutschordensritter erwähnt. Ihre Hochmeister Hier hören wir erstmals von der Kaninchenzucht in geschlossenen Ställen. Im 17 Jahrhundert erfahren wir aus den Niederlanden durch Justus Haliger von weißen, gelben, grauen, blauen und schwarzen Kaninchen. Auch aus England, Frankreich und Italien gibt es solche Berichte. In Deutschland hören wir erst im 18. Jahrhundert von D. Künitz, in einer zeitgenössischen Schilderung, vom Stand der Kaninchen Zucht in Deutschland. Sein Werk. " Allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus-, und Landwirtschaft" spricht vom Zahmkaninchen: "Die zahmen oder Hauskaninchen sind gemeiniglich viel größer, als die wilden oder Feldkaninchen, und auch einer vielfachen Veränderung der Farbe ihrer Haare unterworfen. Doch pflegt bei ihnen die Natur hauptsächlich aus dem Weiß, Schwarz, Bläulich und Grau zu spielen. Die ganz schwarzen sind unstreitig die seltensten. Viele haben mancherlei Weiß, andere hingegen allerlei Grau, und noch andere vermischte Farben.
|
|
|
Ein Sprung weiter in die Gegenwart. Wildkaninchen sind in den Niederungen mit Sandböden oder leichtem Böden auch heute sehr stark vertreten. Hier sind sie auch in der heutigen
Zeit zur Plage geworden.
|
|
|---|---|
|
Wer heute Kaninchen züchtet, egal welche Rasse, der kennt das Problem, dass bei den Würfen der normalen Kaninchen immer wieder ein Langhaar Kaninchen dabei sein kann. Dies ist eine Mutations Erscheinung in den Erbfaktoren, die erfahrenen Züchtern bekannt ist. Meist treten sie überraschend und plötzlich auf. Kreuzt man diese Langhaarkaninchen (beide Elterntiere) gegenseitig ein, so ist der Langhaarfaktor sofort Vererbungsfest Warum soll das im frühen Mittelalter nicht auch passiert sein? |
|
|
Damit ist unser langhaariges Angora- Kaninchen ein Kaninchen das es schon einige hundert Jahre gibt. Natürlich können wir diese wildfarbigen Angora-Kaninchen nicht mit unseren heutigen Angora-Kaninchen vergleichen. Das Haar war lang und dünn und es gab die Tiere in allen Farben. Aus diesen farbigen Angora- Wildkaninchen Albinos, also farblose Tiere, zu züchten war ein langwieriger Prozess.
In der Natur werden langhaarige Kaninchen bei der Flucht durch ihre langen Haare behindert. Mit einem dicken Pelz kommt man nicht so schnell in seinen Bau. Deshalb können Angora- Kaninchen nur domestiziert, also als Haustiere, in größeren Mengen gehalten werden.
|
Zeichnung eines Angora Kaninchens aus dem Buch: Historie Naturell" von Compte de Buffon von 1754
|
<<<zurück zur letzten Übersicht |
weiter zur nächsten Seite>>> |
<<<zurück zur Hauptübersicht |
weiter zur nächsten Übersicht>>> |
|
|
eMail: Ulr.Bauer@angora.de |