Autor: Ulrich Bauer sen. D-73751 Ostfildern

mailto:Ulr.Bauer@angora.de

5. Verarbeitung der Angora-Rohwolle zu Bekleidung


Angora Rohwolle industriell verarbeitet (50_300)


Unsere Angora Rohwolle industriell zu verarbeiten erfordert ganz andere Voraussetzungen an das zu verarbeitende Rohmaterial.

Hier möchte ich versuchen, die wichtigsten Gesichtspunkte zusammenzufassen. So einfach, wie es sich hier anhört ist es nicht. Es sind viele Punkte bei der Verarbeitung zu beachten, die ich aber hier, der besseren Übersicht wegen, weglassen.


Grundsätzlich ist zu sagen, dass ein von Hand gesponnenes Garn nie maschinell weiter verarbeitet werden kann. Auch setzt das industrielle Verarbeiten von Angora Wolle sehr gute Spinn- und Strickkenntnisse voraus.

Nicht jeder Spinn- und Strickmeister ist bereit, das schwierige Material "Angora" zu verarbeiten.

Industrielle Spinnmaschinen sind große Anlagen. Bis die Spinnmaschine eingestellt ist laufen bereits etliche Kilogramm Rohmaterial durch. Rentable Spinnpartien sollten deshalb 500 Kg umfassen.

Kleinere Spinnpartien sind möglich, jedoch meistens nicht rentabel.


Um die Angora Rohwolle industriell zu verspinnen muss diese Sortiert werden.

Folgende Sortierklassen sind üblich:

Sorte 1:

reinweiß, peinlich sauber, unverworren Mindestlänge 6cm

Sorte 2:

reinweiß, peinlich sauber unverworren. Länge: 3-6cm

Sorte 3

reinweiß, peinlich sauber, unverworren. Länge: 1-6cm

Filz I

reinweiß, sauber, verworren

Filz II

leicht beschmutzt

Filz III

beschmutzt

Erste Verarbeitungsgänge:

Einmischen der Fasern, Berechnung der benötigten Mengen




Vor-Garn herstellen auf dem Krempel

( kardieren)




Ausspinnen auf der Spinnmaschine und aufspulen auf Konen



Je nachdem welche Produkte angefertigt werden sollen, werden die Zutaten aus dieser Sortierung gewählt. Zum Beispiel muss für hochprozentige Angora Qualitäten ( 70 – 100 % ) die Sorte 1 eingesetzt werden. Wird dies nicht gemacht, gibt es später Ärger mit dem Flusen und Fasern der Ware.


Wird jedoch eine Mischung aus Baumwolle mit Angora Wolle verlangt, so muss Sorte 3 eingesetzt werden. Grund: Baumwolle hat eine Stapellänge von 3 cm. Deshalb sollte die beigemischte Angora Wolle auch diese Länge haben. Für Beimischungen von 20 – 30 % Angora werden die niederen Sortierungen eingesetzt.


Die industrielle Weiterverarbeitung für Angora Unterwäsche, Segmente und Pullover benötigen eine relativ fein ausgesponnenes Angora Garn. Die stärke der Garne werden in Nm = Nummerische Meter berechnet. So bedeutet zum Beispiel: 23/1: Das Garn ist so fein ausgesponnen, dass 23 000 Meter auf 1 kg gehen. Die Zahl nach dem Schrägstrich gibt an, aus wie vielen Fäden das Garn besteht. Garnstärken von 40 – 60 Nm zu verarbeiten sind üblich.


In der Spinnerei wird das Angora Garn auf Konen mit ca. 1 -1,5 kg Gewicht gewickelt. Diese Konen können direkt auf den Strickmaschinen weiter verarbeitet werden.


Für die verschiedenen Produkte werden jeweils verschiedene Strickmaschinen benötigt:

- Rundstrickmaschinen zur Anfertigung von Angora Wäsche Schläuchen für die Weiterverarbeitung zu Angora Unterwäsche.




-Spezielle Strickmaschinen für die jeweilige Anfertigung von Angora Segmenten wie: Angora-Knie Wärmer, Angora Leib Wärmer, und Angora-Schulter Wärmer.


-Flachstuhl Strickmaschinen zur Anfertigung von Angora Oberbekleidung wie Pullover, Jacken und Westen.


-Webstühle für die Anfertigung von Angora- Stoffen und Angora- Decken.


Alle Angora-Strick Stoffe werden nach der Fertigung in der Wäscherei intensiv ausgewaschen. Hierzu sind erforderlich:

Waschmaschine in entsprechender Größe

Trockner (Tumbler)

Kalender (Dämpfmaschine für gleichmäßige und Falten frei Breite)


 Aus den jetzt vorhanden Stoffen werden die zu konfektionierenden Teile zugeschnitten und dann genäht:

Zuschneidetisch, Schere und zuschneide Messer (elektrisch)

Nähmaschinen ( ca. 4 verschiedene Maschinen bis hin zur Knopflochmaschine)

Dämpftisch



Die fertige Ware wird noch kontrolliert auf einwandfreien Ausfall; etikettiert und verkaufsfähig verpackt.

Wie sie aus meiner Aufstellung ersehen, ist zur industriellen Produktion ein umfangreicher Maschinenpark erforderlich. Wenn sie mit einem guten Startkapital ausgestattet sind, ist dies alles kein Problem.


Ist dies nicht der Fall, können sie auf zwei Möglichkeiten zurückgreifen:

a) Sie kaufen sich die Maschinen gebraucht. Dazu brauchen sie einen Fachmann, der sich mit diesen Maschinen auskennt.


b) Sie lassen die einzelnen Produktionsabschnitte bei anderen Betrieben im Lohn anfertigen.


Den letzen Punkt (Lohnbetriebe) habe ich mit gutem Erfolg Jahrzehntelang praktiziert.

Erst als mein Sohn und seine Frau in den Betrieb kamen (1983), haben diese die eigene Produktion in unserem Hause aufgenommen.

<<<zurück zur vorherigen Seite

weiter zur nächsten Seite>>>

<<<zurück zur letzten Übersicht

weiter zur nächsten Übersicht>>>

<<<zurück zur Hauptübersicht

mailto:Ulr.Bauer@angora.de